Leipziger bangt nach Arbeitsunfall um seine Existenz: "Querschnittslähmung oder Tod waren wahrscheinlicher"

Leipzig - Was tun, wenn ein schwerer Arbeitsunfall einen in die Knie zwingt? Genau das ist Hendrik Ameling (39) passiert: Nach einem Sturz aus großer Höhe kann man von Glück sprechen, dass der Leipziger noch am Leben ist. Seitdem kann der Selbstständige seinen Beruf nicht mehr ausüben und bangt um seine Existenz.

Hendrik Ameling (39) erzählte TAG24-Redakteurin Juliane Bonkowski von dem Tag, der sein Leben ins Wanken brachte.  © EHL Media/Erik-Holm Langhof

Es war der 13. August, als das Leben des dreifachen Familienvaters plötzlich aus den Fugen geriet. Seit ein paar Tagen arbeitete er in der Lagerhalle einer früheren Schweinemastanlage in Brandis, in der es im Januar gebrannt hatte. Seine Firma für Trockeneisreinigung war damit beauftragt worden, die Halle von Ruß zu befreien.

Zwar hat er jeden Tag die zu reinigenden Holzbalken im Dachstuhl kontrolliert, auf denen er sich bewegte. An jenem Donnerstagmorgen aber ist trotzdem einer gebrochen - Hendrik fiel knapp sechs Meter in die Tiefe.

"Das ging alles so schnell, ich hatte noch die Maschine in der Hand, konnte mich nirgends festhalten. Zum Glück hatte ich einen Helm auf, bin mit dem Kopf und meiner linken Schulter zuerst aufgeschlagen", erzählt er im Gespräch mit TAG24.

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Der alarmierte Notarzt sei fast schon überrascht gewesen, dass Hendrik den Sturz überlebt hat. Der 39-Jährige hatte tatsächlich Glück im Unglück: Die Schulter habe viel abgefangen, sagten die Ärzte im Klinikum St. Georg zu ihm, in das ein Rettungshubschrauber ihn gebracht hatte. "Die Wahrscheinlichkeit einer Querschnittslähmung oder des Todes war höher."

Bei dem Sturz brach er sich einen Brustwirbel, die Verletzung wurde bereits operiert. An der Schulter erlitt er eine Gelenksprengung - ein Muskel, der das Schulterblatt mit dem Schlüsselbein verbindet, ist gerissen.

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Mehrere Tage verbrachte der Leipziger auf der Intensivstation des Klinikums St. Georg.  © privat

Große Sorgen um finanzielle Situation: "Ich habe aktuell null Einkommen"

Hendrik mit seiner Familie. Seine Freundin bestreitet den Lebensunterhalt derzeit allein.  © privat

Auch eineinhalb Monate später konnte die Schulter noch nicht operiert werden. Das Problem: Hendrik hat seine Firma bei der Berufsgenossenschaft versichert, sich selbst als Person aber nicht. "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht", musste er sich eingestehen.

Der Träger ist somit nicht zuständig, sondern die Krankenkasse. Das bedeutet viel Bürokratie, ehe überhaupt entschieden ist, welcher Arzt beispielsweise seine Schulter behandeln darf und was bezahlt wird.

Solange die Operation nicht stattgefunden hat, ist an Arbeiten nicht zu denken. Als Selbstständiger bedeutet das eben auch: "Ich habe aktuell null Einkommen." Den Lebensunterhalt für das Paar und die drei elf, 13 und 17 Jahre alten Kinder bestreitet seine Freundin mit zwei Jobs allein.

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Ein Antrag auf Grundsicherung beim Jobcenter läuft: "Die steht zwar jedem zu, aber es wird natürlich alles aus dem Haushalt angerechnet, also was meine Freundin verdient und sogar was das große Kind verdient."

Um Hilfe zu bitten, fiel ihm nicht leicht. Als sein Sohn auf die Idee kam, einen Spendenaufruf zu starten, war er zunächst skeptisch. Doch die Verpflichtungen der Familie laufen weiter, weshalb er sich doch dazu entschieden hat. Das Ziel sei, die nächsten Monate zu überbrücken. Spenden könnt Ihr hier.

Seine Kinder haben ihn im Krankenhaus besucht und auch gemeinsame Unternehmungen sind immerhin schon wieder möglich.  © Bildmontage: privat

Es vergehen noch Monate, bis Hendrik wieder arbeiten kann

Hendrik versucht trotz aller Sorgen zuversichtlich in die Zukunft zu schauen.  © EHL Media/Erik-Holm Langhof

Keine leichte Situation für Hendrik, der schon immer gern und viel gearbeitet hat, nun aber zu Hause sitzt und abwarten muss, wie es mit der Schulter weitergeht. Er macht Physiotherapie, übt so oft wie möglich das Laufen an der Krücke.

Seinen Optimismus hat der Leipziger zwar nicht verloren, trotzdem geht er davon aus, dass er bestenfalls erst in sechs Monaten wieder arbeiten kann. "Je nachdem, ob wirklich 100 Prozent Arbeitsfähigkeit bescheinigt werden."

Auch seinen Nebenjob als selbstständiger Handelsvertreter kann er erst wieder ausüben, wenn er Autofahren kann. Bis dahin möchte er natürlich nicht untätig sein, schaut, ob er einen Job findet, den er vorübergehend im Homeoffice machen kann.

Eines ist Hendrik durch den Unfall dennoch bewusst geworden: "Ich möchte in Zukunft mehr Zeit mit der Familie verbringen. Wie man sieht, kann alles ganz schnell vorbei sein."

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