Nur Bewerber "ohne Migrations-Hintergrund" gesucht? Fake-Stellenanzeige erschüttert Leipziger Bäcker

Leipzig - Mit der beliebten Leipziger Bäckerei Kleinert haben sich Unbekannte einen üblen Scherz erlaubt.

Jürgen Kleinert (70) leitet die Leipziger Familien-Bäckerei seit den 1980er-Jahren. (Archivbild)
Jürgen Kleinert (70) leitet die Leipziger Familien-Bäckerei seit den 1980er-Jahren. (Archivbild)  © Lutz Brose

Der Schock war groß, als vor wenigen Tagen das Foto einer angeblichen Stellenanzeige des Bäckermeisters Jürgen Kleinert (70) im Internet kursierte.

In der Annonce wird nach Bewerbern gesucht, die "nicht älter als 40 Jahre und ohne Migrationshintergrund" sein sollen. Neben diesen "Anforderungen" wurde der Zettel zudem mit einem Foto Kleinerts sowie den Kontaktdaten der Bäckerei bedruckt und augenscheinlich in der Stadt ausgehangen.

Auf Facebook stellte der 70-Jährige nun aber klar: "Diese Anzeige stammt NICHT aus unserem Haus. Bei uns arbeiten Menschen aus Italien, Ungarn, Frankreich, Eritrea usw."

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Er und seine Mitarbeiter seien wütend und erschüttert über die Fake-Annonce und stellen deshalb klar, dass in ihrer Bäckerei "alle Menschen dieser Erde" herzlich willkommen seien.

Vor Kleinerts öffentlicher Klarstellung und seiner Anzeige bei der Polizei gegen unbekannt hatte sich angesichts des Aushangs ein regelrechter Shitstorm entwickelt: Mehrere Personen hinterließen der Bäckerei negative Google-Bewertungen, in denen sie das Geschäft des Rassismus bezichtigten.

Inzwischen wurden viele dieser verurteilenden Kommentare wieder gelöscht, stattdessen finden sich unter der Richtigstellung auf Facebook Hunderte unterstützende Stimmen für Kleinert und sein Team. Einige Personen entschuldigten sich auch für ihre vorschnellen Reaktionen.

Die Polizei ermittelt jetzt wegen Verleumdung. Zudem müsse laut Sprecherin Mariele Koeckeritz geprüft werden, ob es sich um ein tatsächlich ausgehangenes Flugblatt oder eine Fotomontage handelt.

Titelfoto: Lutz Brose

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