Von Anke Brod
Leipzig - In ländlicher Idylle bauen, doch diese vorher plattmachen? Genau dieses Szenario droht einem ökologisch wertvollen Kleinod am Rande von Leipzig: Auf einer saftigen Naturfläche mit "glücklichen Kühen" und uriger Weidenallee im Ortsteil Mölkau soll stattdessen Wohnraum wachsen. TAG24 schaute sich vor Ort um.
Das beschriebene Drei-Hektar-Areal liegt zwischen der Zweinaundorfer- und Albrechtshainer Straße. Die biotop-ähnliche Grünoase ist unter Spaziergängern und Erholungssuchenden äußerst beliebt.
Nun aber sind hier Einzel-, Doppel- sowie Reihenhäuser und Geschossneubauten im Gespräch. Es geht um etwa 50 neue Wohneinheiten.
Zwar sollen Grünflächen "trotz Nachverdichtung" ökologisch gesichert werden, wie es in einer Projektbeschreibung heißt. Die Stimmung im Ort wirkt jedoch gedrückt, Anwohner bleiben skeptisch.
In sozialen Netzwerken kochen die Emotionen hoch. "Das ist doch das Letzte", äußert sich eine Bürgerin via Facebook. Sie bedauert: "Jedes Fleckchen Wiese, Bäume, Natur wird abgeholzt für wieder noch mehr Eigentumswohnungen, die sich keiner mehr leisten kann."
Eine weitere Meinung lautet: "Wie oft geht man dort spazieren und freut sich über die frei lebenden Kühe... wenn dann noch die Kälbchen da sind, einfach schön". Über eine Petition zum Erhalt der Grünfläche wird derweil laut nachgedacht.
Bauland statt Grün
Auf seiner Mai-Sitzung hatte der Ortschaftsrat Mölkau mehrheitlich gegen das Vorhaben gestimmt. Das resultierende erhöhte Verkehrsaufkommen im Ort und die verschwindende Grün- und Freifläche riefen unter den Mitgliedern große Bedenken hervor: Der Wegfall schmälere den ortsprägenden Landhaus-Charakter.
Die bisherige "moderate Siedlungsbebauung", durchzogen von Grün- und Landwirtschaftsflächen, werde mit dem geplanten Baufeld verändert.
Im Verlauf stimmte der Leipziger Stadtrat dann allerdings der Umwidmung des bereits existierenden "Bebauungsplanes E-215" mit der bisherigen Festsetzung "Grünflächen" in Bauland zu.
Dies hatte die betreffende Baugesellschaft als Eigentümerin des Areals zuvor beantragt.
Beim Besuch von TAG24 in Mölkau brachte es Anwohner Artur Richter (70) drastisch auf den Punkt: "Schade drum, das Grün ist dann weg!"