Viele Bäume in Gefahr: Wald am Cossi soll für weiteren Parkplatz abgeholzt werden
Markkleeberg - In Leipzig wird seit einigen Wochen über die Rodung bzw. den Erhalt des Capa-Wäldchens in der Nähe der Red Bull Arena gestritten. In der benachbarten Stadt Markkleeberg gibt es ebenfalls seit Jahren Diskussionen und am morgigen Mittwoch könnte eine richtungsweisende Entscheidung fallen.
Am Cospudener See fehlen laut der Stadt rund 250 Parkplätze. Im Bereich Hafenstraße/Koburger Straße will man diese jetzt stückweise aufstocken und dafür Teile eines Waldes roden. Der Umweltverein "Ökolöwe" schlägt Alarm und will verhindern, dass der dafür benötigte Bebauungsplan (B-Plan) verabschiedet wird.
Die Umweltschützer sprechen von einer Waldvernichtung auf 1,3 Hektar und sind der Meinung, dass die schon vorhandenen Parkplätze sowieso nie zu 100 Prozent ausgelastet seien.
Laut ihnen will Markkleeberg "einen lebendigen Wald auf Teufel komm raus plattmachen". Karsten Schütze (59, SPD), Oberbürgermeister von Markkleeberg, widersprach dieser Darstellung auf TAG24-Anfrage. Ein Teil der Bäume dort sei von einem Schädling befallen.
Seitdem der "Cossi" 2000 fertig geflutet und freigegeben wurde, gibt es "Beschwerden, Konflikte und viele Falschparker", so Schütze. Seit mehr als 15 Jahren wird deswegen an einem B-Plan gearbeitet. Am Mittwoch wird beschlossen, wie man mit dem Ausbau vorgehen möchte. Verabschiedet wird der Plan da aber noch nicht.
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Ökolöwe sagt, dass der Bürgerwillen missachtet wurde
Die Situation wirkt festgefahren. Bereits im Oktober 2025 hatten rund 450 Menschen gegen die Waldrodung demonstriert. "Ökolöwe" wirft der Stadt eine "Missachtung des Bürgerwillens" vor und dass sie "stur in die Übernutzung des Sees hineinplant".
Schütze weist das zurück und erklärte gegenüber TAG24, dass es verschiedene Beteiligungsformate gab. So wurde unter anderem mit den Anwohnern im Bereich Zöbigker gesprochen.
"Entfallen ist ein geplanter Caravan-Stellplatz am Ende der Hafenstraße. Hier soll jetzt ein Biotop mit Ersatzhabitat für Zauneidechsen entstehen", so der OB.
Man habe außerdem mit den Unternehmen gesprochen, die sich eine bessere Anbindung des Hafens an den ÖPNV und den Reisebusverkehr wünschen.
So könnte der Kompromiss aussehen
Im dritten Schritt wurden dann zufällig Bürgerinnen und Bürger aus Markkleeberg befragt und der Kompromiss einer Minimalvariante gefunden.
Konkret bedeutet das, dass die Kapazität schrittweise erhöht wird. In Phase 1 soll ein Kreisverkehr am Knotenpunkt Koburger Straße/Hafenstraße errichtet werden, der die Zu- und Ausfahrt zu den Parkplätzen P1 und P2 neu anordnet. Da gleichzeitig Stellplätze am Hafen zurückgebaut werden, würden 31 neue Parkplätze dazukommen.
Die Wirksamkeit dieser wird dann für fünf Jahre lang "mittels Verkehrszählungen untersucht". Erst danach wird entschieden, ob man die Phasen 2, 3 und 4 anschließt, die am Ende rund 200 neue Parkplätze schaffen würden. Auch nach Phase 2 würde man aber wieder fünf Jahre lang beobachten.
Bis zu einer tatsächlichen Bebauung sind auch noch mehrere Stadtratsbeschlüsse nötig. Erste Bauaktivitäten sind erst ab 2030/31 denkbar.
Titelfoto: Bildmontage: Christian Grube; Jan Kaefer

