Wenn Philipp und Dirk kommen, kann's teuer werden
Leipzig - "Liebe Fahrgäste, jetzt findet in diesem Fahrzeug eine Fahrkartenkontrolle statt", verkündet seit Neuestem eine automatische Ansage, wenn Philipp (29) und Dirk (47) in die Straßenbahn steigen. Die beiden arbeiten als Fahrausweisprüfer bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB). TAG24 hat sie bei ihrer Arbeit begleitet.
Bereits eine der ersten kontrollierten Personen hatte ihre Handtasche samt Deutschlandticket zu Hause vergessen. Sie reagierte gelassen und konnte innerhalb von sieben Tagen ihr Ticket im Servicecenter nachreichen.
Doch nicht alle Fahrgäste bleiben so cool. Jährlich kommt es in Leipzig zu circa 380 verbalen Auseinandersetzungen gegenüber Prüfern, in etwa 120 Fällen kommt es zu körperlichen Angriffen.
"Man ist schockiert. Die Schlagzeilen lassen einen nicht kalt", sagte Dirk. Laut ihm müsse man wachsam sein, aber nicht ängstlich.
Der 47-Jährige arbeitet seit 2018 bei den LVB und ist mittlerweile Fachverantwortlicher. Er und sein Kollege Philipp wurden zum Glück noch nicht körperlich angegriffen.
Wie alle Kontrolleure sind sie speziell geschult. "Beim Einstieg macht man erst mal einen Rundumblick", erklärte Dirk. "Mit einem Lächeln reinzugehen, nimmt auch oft die Aggressionen. Man muss einfach auf einer Ebene kommunizieren." Als weitere Sicherheitsmaßnahme sind die Prüfer nie allein unterwegs, sondern immer mindestens zu zweit oder zu dritt. Sie kommunizieren mit Walkie-Talkies und schauen auf den anderen. "Man kann sich aufeinander verlassen", sagte Philipp.
Die LVB beobachten genau, wie es um die Sicherheit steht. "Bodycams sind eine Option, die wir uns anschauen. Es kann sein, dass wir das machen", erklärte Marc Backhaus, Pressesprecher bei den LVB.
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Polizei und Ordnungsamt unterstützen teilweise
Hin und wieder unterstützen auch Polizei und Ordnungsamt bei den Kontrollen. In regelmäßigen Schulungen wird mit Experten geübt, wie die Prüfer in hitzigen Situationen deeskalieren können.
Mindestens einmal jährlich gibt es interkulturelles Training und Produktschulungen.
Die LVB setzen darüber hinaus in Marketingkampagnen, wie der Mini-Serie "Öffi Ultras", auf das Miteinander und gegenseitige Rücksicht.
Dirk und Philipp erklärten gegenüber TAG24, dass sie trotz allem keine Angst haben, wenn sie in den Bussen und Bahnen unterwegs sind.
Die Prüfer dürfen nicht schüchtern sein
Philipp (29) ist seit mehr als vier Jahren dabei. Er hat es keinen Tag bereut und sich bewusst für den Job entscheiden, auch wegen des Kundenkontakts. "Man braucht auf jeden Fall ein dickes Fell und eine große Schippe Selbstbewusstsein", schmunzelte er.
Wer Fahrausweisprüfer werden möchte, muss außerdem gut reden können und Teamplayer sein. Über eine interne App stimmen die Kontrolleurteams sich untereinander ab, wer wo unterwegs ist.
Die Routen werden selbst bestimmt. Pro Schicht kommt ein Mitarbeiter auf 30 bis 40 Umstiege innerhalb des Stadtgebietes.
Wie viele Schwarzfahrer dabei durchschnittlich ins Netz gehen, lässt sich schwer schätzen. "Jeder Tag ist anders", erklärte Dirk.
Titelfoto: Bildmontage: Silvio Bürger

