Wird er Leipzigs erster schwarzer Oberbürgermeister?
Leipzig - Bekommt Leipzig seinen ersten schwarzen Oberbürgermeister? Während die meisten Parteien ihre Bewerber für die OB-Wahl im Februar 2027 noch nicht nominiert haben, plant ein bürgerliches Bündnis einen echten Coup: Mit dem parteilosen Stadtrat Getu Abraham (58) soll ein gebürtiger Afrikaner als Universal-Kandidat der bürgerlichen Mitte fortan die Geschicke der Stadt führen.
Es ist eine Reaktion auf den allgemeinen Parteienfrust, der aktuell im Lande herrscht. Kein Parteisoldat, sondern ein von Parteizentralen unabhängiger Pragmatiker solle Leipzigs nächster Stadtchef werden, heißt es aus dem Unterstützerkreis, der sich überwiegend aus Vertretern der hiesigen Wirtschaft und lokaler Institutionen zusammengefunden hat.
Mit Getu Abraham soll ein aussichtsreicher Kandidat gefunden worden sein, dem zugetraut wird, die Wähler der bürgerlichen Mitte zu vereinen.
Der an der Universitäts-Tierklinik lehrende Professor für Veterinärmedizin gilt im Stadtrat als angesehener Realpolitiker mit Rückgrat. Bis 2024 war er SPD-Mitglied, verließ Partei und Fraktion jedoch mit lautem Knall.
Öffentlich prangerte der gebürtige Äthiopier, der 1989 zum Veterinärmedizin-Studium nach Leipzig gekommen war, damals den Parteienfilz bei den Sozialdemokraten an. Nach ein paar Monaten als Einzelabgeordneter schloss sich Abraham im März 2025 als Parteiloser der CDU-Fraktion an.
Auf Anfrage von TAG24 wollte Abraham seine Ambitionen in Sachen OB-Wahl weder bestätigen noch dementieren. "Wenn es etwas zu verkünden gibt, werden Sie es erfahren", erklärte er vielsagend am Telefon.
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Ein Marathon-Mann, der die bürgerliche Mitte einen könnte
Als leidenschaftlicher Marathon-Läufer (Bestzeit: 3:07 Stunden) weiß Abraham, wie man sich bei einem langen Rennen die Kräfte am besten einteilt. Auch sein Unterstützerkreis will vorerst kein öffentliches Statement abgeben. Hinter vorgehaltener Hand hieß es, dass man erst die Kandidaten-Nominierungen von SPD und CDU abwarten wolle.
Vor allem der CDU dürfte eine Nominierung Abrahams Bauchschmerzen bereiten. Nachdem sich die Partei bereits Absagen von ihren Wunschkandidaten Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (47) und später Finanzbürgermeister Torsten Bonew (54) holte, gilt Peggy Liebscher (48) parteiintern als konsensfähige OB-Bewerberin.
Allerdings: Die Juristin und Diplomverwaltungswirtin hat zwar eine ordentliche Parteikarriere mit Stationen in der sächsischen Staatskanzlei und im Bundeskanzleramt hingelegt, doch in der Öffentlichkeit ist sie kaum bekannt. In einem "hausinternen" Duell um die bürgerliche Mitte dürfte es Liebscher gegen Abraham schwer haben.
Auch die Sozialdemokraten haben ihren Kandidaten um die Nachfolge von OB Burkhard Jung (68, SPD) bislang noch nicht benannt. Aus Parteikreisen war zu erfahren, dass aktuell alles auf einen sächsischen Partei-Promi hinausläuft - Wirtschaftsminister Dirk Panter (52).
Titelfoto: Bildmontage: Stadt Leipzig; dpa

