Medizin-Sensation: Komplett künstliches Herz erfolgreich in Leipzig implantiert

Leipzig - Erstmals am Herzzentrum Leipzig und zum erst 55. Mal weltweit hat kürzlich ein Eingriff stattgefunden, der durchaus als medizinische Sensation gewertet werden kann: Einem Patienten wurde ein komplett künstliches Herz eingesetzt. Ohne Komplikationen.

Dieses künstliche Herz ("Total Artificial Heart", TAH) wurde dem Patienten eingesetzt.
Dieses künstliche Herz ("Total Artificial Heart", TAH) wurde dem Patienten eingesetzt.  © Herzzentrum Leipzig/Christian Hüller

Bei dem Patienten waren nach einem schweren Herzinfarkt die Pumpfunktionen beider Herzkammern ausgefallen. "Durch den Infarkt starb ein Teil des Muskelgewebes in der Herzscheidewand ab und ein Loch entstand, das sich nicht verschließen ließ", erläutert Priv.-Doz. Dr. med. Alexey Dashkevich.

"Dadurch waren beide Herzkammern beeinträchtigt - eine Situation, in der keines der herkömmlichen Unterstützungssysteme für das Herz mehr anwendbar war", so der Leitende Oberarzt der Universitätsklinik für Herzchirurgie in Leipzig.

Das "Total Artificial Heart", kurz TAH, sei im Gegensatz zu bereits länger existierenden Kunstherzsystemen in der Lage, die natürlichen Funktionen des Herzens komplett zu ersetzen.

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Das TAH besitze 14 Sensoren, die unter anderem Druck und Temperatur messen. "Dadurch registriert es Belastungen des Körpers, zum Beispiel schnelleres Gehen oder Treppensteigen, und passt die Schlagfrequenz an die Bedürfnisse des Körpers eigenständig an."

"Wir sind in der Lage, Herzpatienten aus einer ansonsten aussichtslosen Situation zu helfen"

Priv.-Doz. Dr. med. Alexey Dashkevich zeigt das komplett künstliche Herz.
Priv.-Doz. Dr. med. Alexey Dashkevich zeigt das komplett künstliche Herz.  © Herzzentrum Leipzig/Christian Hüller

Und das Kunstherz wird vom Körper nicht einmal als Fremdkörper anerkannt oder abgestoßen, da die Oberflächen mit einer biologischen Membran aus dem Herzbeutel eines Rindes ausgekleidet sind.

Nach einer Probe-Implantation an einem Tier in Paris ging es zurück nach Leipzig, um selbiges nun am Menschen durchzuführen. Man war auf sämtliche Komplikationen eingestellt - "aber es traten keine ein", erzählt Dashkevich. "Das Einsetzen des Kunstherzens lief reibungslos und das Herz funktionierte sofort fehlerfrei. Das ist für uns ein großer Erfolg."

Mittlerweile geht es dem Patienten wieder gut, er konnte auch schon Besuch seiner Familie empfangen.

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Prof. Michael A. Borger, Ärztlicher Direktor und Direktor der Universitätsklinik für Herzchirurgie, freut sich über den medizinischen Erfolg: "Mit diesem neuen Typ von Kunstherz sind wir in der Lage, Herzpatienten aus einer ansonsten aussichtslosen Situation zu helfen."

Titelfoto: Herzzentrum Leipzig/Christian Hüller

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