Neue Leipziger Studie: Der Mensch ist, was er isst

Leipzig - Ob man als Vegetarier oder Veganer nun der bessere Mensch ist, das sei dahingestellt. Was aber unterscheidet Fleischesser und jene, die darauf verzichten? In Deutschland gaben laut einer Erhebung des Allensbach-Instituts vergangenen Jahr rund 6,1 Millionen Menschen an, sich vegetarisch zu ernähren. Eine aktuelle Studie des Max-Planck-Instituts belegt nun, dass sich fleischarme Kost positiv auf die Figur auswirkt. Die Forscher haben außerdem festgestellt: Vegetarier sind vom Wesen introvertierter.

Männer neigen zum Schlingen beim Essen.
Männer neigen zum Schlingen beim Essen.  © 123rf/Odua Images

Zu dieser Erkenntnis sind Wissenschaftler des Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) und des Uniklinikums Leipzig im Rahmen einer Studie gekommen. An rund 10 .000 Probanden aus Leipzig wurde, unabhängig von Alter, Geschlecht und Bildungsstand, getestet, welche Zusammenhänge es zwischen Psyche und Körper beim Verzicht auf Fleisch gibt.

Das Ergebnis: Je seltener Fleisch und Nahrung tierischen Ursprungs auf dem Teller landet, desto geringer der Body-Mass-Index (BMI). "Dick machen vor allem übermäßig fett- und zuckerreiche Produkte. Sie regen den Appetit an und zögern das Sättigungsgefühl heraus", erklärt Evelyn Medawar (27), Erstautorin der Publikation. Wer sich Größenteils pflanzlich ernährt, nimmt also automatisch weniger verarbeitete Lebensmittel zu sich. Außerdem, so Medawar, enthalten vegetarische Lebensmittel mehr Ballaststoffe. Sprich: Vegetarier nehmen weniger Energie auf, bleiben dafür länger satt.

"Ob die Ernährung der Probanden die Ursache für das geringere Körpergewicht verantwortlich ist, lässt sich nicht sagen. Das sind natürlich erst einmal Spekulationen", fügt Evelyn Medawar hinzu. Eine Folgestudie soll darüber Aufschluss geben.

Ernährung wirkt sich auch auf Persönlichkeit aus

Pizza, Burger, Fritten, Hot Dog: Fastfood ist energiereich und meist sehr fettig. Salat, Kohl, Äpfel, Spargel, Blaubeeren: Vegetarische Lebensmittel besitzen viele Ballaststoffe und sind weniger energiereich.
Pizza, Burger, Fritten, Hot Dog: Fastfood ist energiereich und meist sehr fettig. Salat, Kohl, Äpfel, Spargel, Blaubeeren: Vegetarische Lebensmittel besitzen viele Ballaststoffe und sind weniger energiereich.  © 123rf/ lightwise

Doch nicht nur in puncto Bauchumpfang haben die Forscher Zusammenhänge festgestellt. Auch die Persönlichkeit kann vom Essverhalten geprägt sein. 

"Besonders aufgefallen ist uns das bei einem der großen Persönlichkeitsfaktoren. Nämlich der Extravertiertheit", sagt Medawar. Im Gegensatz zu den Allesessern waren die vegetarischen bzw. veganen Probanden vom Wesen her weniger extrovertiert. 

Woran das liegt? Projektleiterin Veronica Witte: "Das ist schwer zu sagen. Es könnte daran liegen, dass introvertiertere Personen eher zu restriktiverem Essverhalten neigen oder sich aufgrund ihres Essverhaltens stärker sozial abgrenzen." Auch an der Stelle müssten weitere Studien folgen.

Dass Vegetarier zu depressiver Stimmung und neurotischem Verhalten neigen, so wie es frühere Studien gezeigt haben, das können die Leipziger Forscher nicht bestätigen. "Restriktive Ernährung kann natürlich dazu führen, dass das Umfeld einen sozial weniger akzeptiert", sagt Evelyn Medawar. 

Mittlerweile, so die Forscherin, sei eine Alternative Ernährungsweise aber mehr in der Gesellschaft akzeptiert, als noch vor einigen Jahren.

Titelfoto: 123rf/Odua Images

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