Leipzigs OB Jung zu möglicher Rüstungsfabrik: "Fakten müssen erst mal auf den Tisch"

Leipzig - Seit bekannt wurde, dass das US-Rüstungsunternehmen Covenant Industries im Norden Leipzigs eine Fabrik zur Herstellung von Marschflugkörpern ansiedeln will, schlägt die Enthüllung große Wellen. Während vor dem Leipziger Rathaus am Mittwoch zahlreiche Demonstranten gegen das Vorhaben protestierten, äußerte sich in der Ratsversammlung erstmals Oberbürgermeister Burkhard Jung (68, SPD) dazu.

Leipzigs OB Burkhard Jung (68, SPD) äußerte sich bei der Ratsversammlung am Mittwoch erstmals zu möglichen Ansiedlungsplänen des Rüstungsunternehmens Covenant Industries.  © Jan Kaefer

Dabei stellte das Stadtoberhaupt bereits zu Beginn seiner Ansprache klar: "Wir bewerben uns zurzeit nicht aktiv auf Verteidigungswirtschaft im weiteren Sinne."

Eingehende Anfragen würden weiterhin sowohl durch die Investregion Leipzig als auch die Wirtschaftsförderung bearbeitet, auch im Sicherheits- und Verteidigungssektor. Der Umgang mit Sprengstoff sei dabei jedoch ausgeschlossen. "Das war bis jetzt immer eine Grenze, die wir eingezogen haben: Sprengstoff, Munition, et cetera wird von uns nicht aktiv beworben."

Der Stadtverwaltung seien auch keine Anfragen von Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie für städtische Flächen bekannt. Kein Unternehmen habe Flächen oder Teile dieser Flächen erworben. "Wir verhandeln auch nicht über den Standort Radefelder Allee, damit das mal klar ist. Das sind Fehlmeldungen", sagte Jung.

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Der OB räumte jedoch ein, dass es seit November 2025 Kontakt zu einem Unternehmen der Sicherheitsindustrie gebe. Den Namen Covenant Industries nannte er bei seinen Ausführungen nicht. "Höchste Vertraulichkeit ist die Währung der Wirtschaftsförderung und auch der Investregion Leipzig."

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Jung: "Kann sein, dass eine Nutzung gar nicht Genehmigungspflicht ist"

Den Namen des Unternehmens nannte Jung dabei nicht, räumte jedoch ein, dass es bereits seit November 2025 Kontakt gebe.  © Jan Kaefer

Die Anfrage war anonym, allgemein gehalten. Zitiere: Ein Unternehmen der Sicherheitsindustrie sucht eine Halle für Be- und Verarbeitung von Metallen und Verbundwerkstoffen. Dann hat die Investregion Leipzig, wie das immer wieder geschieht, ein Angebot erarbeitet und übergeben. Nicht über eine städtische Fläche, sondern über Möglichkeiten in der Region, wo man sich einmieten kann.

Mit der Stadtverwaltung seien dann durch Beauftragte des Unternehmens Vorgespräche zu geplanten Nutzungsänderungen einer bestehenden Logistikhalle geführt worden. Das Vorhaben solle demnach auf dem Gebiet der Stadt Leipzig ausgeführt werden. Schriftlich festgehalten sei bislang jedoch nichts.

"Es gibt kein einziges Schriftstück", sagte Jung und bemerkte anschließend: "Es kann sein, dass eine Nutzung in einer bestehenden Halle vielleicht gar nicht genehmigungspflichtig ist."

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"Wir müssen schauen, was Genehmigungspflicht ist", betonte der OB noch einmal zum Abschluss seiner Rede. "Und dann wird man im Ergebnis entscheiden müssen: Gibt es Zustimmungserfordernisse bestimmter Gremien? Was können wir dazu beitragen? Aber meine Grundhaltung ist die: Bitte, bevor wir irgendwelche Gebäude bauen, müssen die Fakten erst mal auf den Tisch, und die haben wir zurzeit nicht, außer einigen Gesprächen, von denen ich auch nur vom Hörensagen weiß."

Leipzig sei bereits jetzt Kriegsziel

Vor dem Rathaus protestierten währenddessen rund 250 Menschen gegen die Ansiedlung.  © Marco Struckmann

Danach gefragt, ob eine derartige Ansiedlung das Risiko für Leipzig erhöhe, im Ernstfall zum Ziel zu werden, erklärte Jung unumwunden: "Das sind wir jetzt schon. Am Flughafen haben wir es gesehen. Jede Großstadt mit industrieller Produktion, mit Flughafen, mit Infrastruktur, mit Versorgungskapazitäten, die benötigt werden, ist natürlich im Ernstfall ein Kriegsziel."

Vollkommene Sicherheit gebe es dabei nicht. "Aber was wir tun können, ist, dafür zu sorgen, dass wir handlungsfähig bleiben und im Störfall sofort wieder die Versorgung der Bevölkerung aufnehmen können."

Spätestens der Angriff auf die Ukraine habe auch ihm klargemacht, dass Deutschland nicht mehr ohne Abschreckungspolitik auskomme. "Ich glaube, wir kommen nicht mehr aus dieser Zwangslage heraus, dass wir uns verteidigen müssen."

Dabei betonte der OB: "Wir können nicht einfordern, dass der Bund mehr tut, aber dann sagen: Aber nicht vor meiner Tür!"

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