Nach Amokfahrt mit zwei Toten: Leipzig prüft besseren Schutz der Innenstadt, auch auf dem Augustusplatz
Leipzig - Die Amokfahrt mit zwei Toten Anfang Mai beschäftigt weiterhin die Leipziger Stadtspitze. Bei der Ratsversammlung am Mittwoch gedachten die Stadträte Opfern und Betroffenen mit einer Schweigeminute. Gleichzeitig kündigte Oberbürgermeister Burkhard Jung (68, SPD) an, neue Sicherheitsmaßnahmen für die Innenstadt zu prüfen. Dabei solle auch der Augustusplatz unter die Lupe genommen werden.
Jung blieb dabei seinem Standpunkt treu, dass sich die Stadt nicht in eine Festung umbauen lasse. "Es wird uns nicht gelingen, eine letzte Sicherheit zu organisieren. Wer sowas verspricht, der spricht nicht die Wahrheit."
Leipzigs Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal hatte zuvor noch einmal darauf hingewiesen, dass im Herzen der Messestadt noch immer 7000 Menschen leben. "Diese Bürgerinnen und Bürger wollen auch an ihre Wohnung rankommen, wenn es erforderlich ist. Wir müssen auch eine hohe Mobilität gewährleisten für Handel, Dienstleistung, Hotelerie, Gastronomie. Das macht es so komplex."
Jung zufolge gehe es jetzt darum, eine angemessene Balance zu finden. "Natürlich wird man auch prüfen, wo gibt es Möglichkeiten einer durchaus adäquaten Gestaltung des öffentlichen Raums - über eine Bepflanzung, über Sitzmöbel, über Möglichkeiten einer natürlichen Sperre."
Der Oberbürgermeister bat dabei um Geduld, um weitere Maßnahmen mit der nötigen Sorgfalt prüfen zu können. "Ich gehe davon aus, dass wir im vierten Quartal ein ganzes Stück weiter sind und wir kommen dann hoffentlich mit Vorschlägen auf Sie zu, die wir in der gebotenen Sorgfalt dann auch diskutieren können. Und bis dahin werden wir auf der jetzigen Basis der Sicherheitskonzepte agieren."
Auch die Sicherheit auf dem Augustusplatz soll geprüft werden
Das Stadtoberhaupt habe Ordnungsbürgermeister Rosenthal und Verkehrsbürgermeister Thomas Dienberg (Grüne) zudem darum gebeten, in ihren aktuellen Untersuchungen auch den Augustusplatz noch einmal in den Fokus zu nehmen. "Der Augustusplatz ist schon auch eine schwierige Situation in der Gemengelage mit Fußgängern, Verkehrsbetrieben, Durchgangsverkehr, Parkhausverkehr, et cetera."
Zudem habe er Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke gebeten, zu bedenken, wie man den Opfern der Amokfahrt des 4. Mai künftig gedenken könne.
Der Stadtrat selbst gedachte am Mittwoch in einer Schweigeminute den Opfern und Betroffenen der Tat. "Diese Amokfahrt hat Menschen getötet. Die Amokfahrt hat Familien zerrissen und unsere Stadt für Tage gelähmt und auch verändert", sagte Jung dabei.
Er selbst sei in den ersten Stunden und auch am Tag danach in der Stadt gewesen und habe Gesichter gesehen, die er so leicht nicht vergessen werde. "Was mich aber auch bewegt hat, war die Art, wie die Menschen in unserer Stadt reagiert haben. Nicht mit Gleichgültigkeit, sondern mit großer Anteilnahme. Das war in dem ganzen Unglück auch sehr, sehr schön zu erleben, wie die Menschen zusammenhalten, wie die Menschen zusammenstehen."
Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa

