"Ein Trauerspiel": Leipzigs neue Notunterkunft wird deutlich teurer
Leipzig - 2022 erwarb Leipzig das ehemalige Hostel "Central Globetrotter" an der Kurt-Schumacher-Straße, um darin eine kostenfreie Notunterbringung für Wohnungslose nahe des Hauptbahnhofs einzurichten. 2025 sollte diese in Betrieb gehen, stattdessen dauert der Umbau jedoch weiter an - und auch die Kosten sind noch einmal gestiegen.
7,5 Millionen statt 5,4 Millionen Euro werde das Projekt inzwischen kosten, wie in der Ratsversammlung am Mittwoch bekannt wurde. Leipzigs Stadträte hatten dort die zusätzlichen Ausgaben beschlossen, um die Fortführung der Bauarbeiten finanziell abzusichern.
Nötig werden die Mehrausgaben laut Stadtverwaltung aufgrund von massiven Mehraufwänden zur Ertüchtigung des Baugrundes. Darüber hinaus müssten sämtliche Holzbalkendecken vollständig ausgetauscht und zusätzliche Maßnahmen zur Gebäudesicherung und -stabilisierung während der Bauzeit ergriffen werden.
Katharina Krefft von der Grünen-Fraktion sprach mit Blick auf die Historie des Projekts von einem Trauerspiel. "Das Hostel, das bis zwei Jahre zuvor in Betrieb war, konnte nicht unmittelbar weitergeführt werden. Während die Verwaltung prüfte, ob das Objekt mit niedrigem Sanierungsaufwand an einen freien Träger zu übereignen wäre, verschlechterte sich der bauliche Zustand weiter. Der Schaden war groß."
Erst im April 2025 sei der Baubeschluss gefasst, dann weitere Schäden entdeckt worden. Nun die Mehrausgaben. "Nun werden wir einen weiteren Winter ohne Notschlafstelle zubringen. Einen weiteren Winter werden Wohnungslose ungeschützt und Parks und auf Brachen ausharren, immer in dem Risiko geräumt zu werden. Wir könnten weiter sein."
Nagel: Maßnahmen werden Problem nicht eindämmen
Linken-Stadträtin Juliane Nagel mahnte, dass derartige Mehrausgaben die Akzeptanz für Projekte gefährden.
"Dass das notwendig ist, diese Unterbringung in Hauptbahnhof-Nähe zu schaffen, wird hoffentlich niemand hier in diesem Saal bezweifeln. Wir wissen auch, dass das Problem der Wohnungslosigkeit leider wächst und wir mit den Maßnahmen, die wir hier engagiert angehen, es nicht schaffen werden, dieses massiv einzudämmen."
Auch die Linke habe auf einen schnelleren Ablauf gehofft. Nun hoffen sie, so Nagel, dass das Objekt spätestens im nächsten Winter an den Start geht.
Titelfoto: Christian Grube
