Prinzen-Frontmann mit neuem Soloalbum: Krumbiegels klingender Kompass

Leipzig - Während rund um Die Prinzen gerade ein großes Kapitel zu Ende erzählt wird, ist fast leise anderes geschehen: Prinzen-Frontmann Sebastian Krumbiegel (59) hat ein neues Soloalbum veröffentlicht: "Kompass" (Große Freiheit). Eine Platte, die wie ein Gegenentwurf zum Abschiedstrubel um die Band wirkt – persönlich, nachdenklich, erstaunlich optimistisch.

Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel (59) bei einem Konzert auf der Berliner Parkbühne Wuhlheide vergangenes Jahr.  © Imago

Vor wenigen Tagen erst haben Die Prinzen das Aus für die Band angekündigt, 2027 will man mit einer großen Abschiedstournee abtreten. Nach über drei Jahrzehnten wollen sie "einen würdigen Abschluss" setzen, wie Krumbiegel selbst sagt – ganz nach dem Motto: Wenn es am schönsten ist, hör auf. Das ist schon jetzt ein lauter, emotionaler Schlusspunkt, der sich in der öffentlichen Wahrnehmung effektvoll vor das aktuelle Soloprojekt des Sängers geschoben hat.

Krumbiegel war immer mehr als nur Popsänger. Der Leipziger, der aus dem Thomanerchor kommt und seit den 90ern zu den bekanntesten Stimmen des Landes gehört, hat sich immer auch politisch positioniert und Haltung gezeigt. Genau diese Haltung zieht sich durch "Kompass". Der Titel ist durchaus wörtlich gemeint. Der Sänger und Songwriter beschreibt seine Musik selbst als Orientierungshilfe: "Ich versuche, einen Kompass zu haben, der mich durch diese Zeit bringt. Der Kompass ist meine Musik."

Das ist konkret gemeint. Denn diese "Zeit" ist für ihn geprägt von Krisen, Überforderung und gesellschaftlichen Spannungen – worauf er mit seinen Liedern reagiert. "Kompass" ist wiederum kein Konzeptalbum im klassischen Sinn, sondern ein musikalisches Tagebuch. Es greift alles auf, was gerade passiert: Klimadebatten, Internet-Hass, Egoismus, politische Verwerfungen.

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Krumbiegel bleibt seinem Stil treu

Frontmann Sebastian Krumbiegel (59) während eines Konzerts der Symphonica-Tour zum 35-jährigen Bandjubiläum der Prinzen.  © Imago

Dabei bleibt Krumbiegel seinem Stil treu: Er ist nie verbissen, sondern arbeitet viel mit Ironie, kleinen Spitzen und Humor. Die Songs nehmen Social-Media-Hass aufs Korn oder spielen sich satirisch an prominenten Figuren ab. Das alles wirkt manchmal leicht, hat aber einen klaren Kern. "Ich glaube ganz einfach, dass wir uns in diesen Zeiten einmischen sollten", sagt Krumbiegel zurzeit in fast jedem Interview.

Das Entscheidende ist der Ton des Albums. Trotz all der Themen ist "Kompass" kein düsteres Werk. Im Gegenteil: Es ist durchzogen von einem fast trotzig wirkenden Optimismus. Er wollte keine depressive Platte machen – stattdessen, so beschreibt er es selbst, sei es ihm gelungen, "optimistisch zu bleiben und den Silberstreifen am Horizont zu sehen". Oder, noch plastischer formuliert: Auf diesem Album ist "das Glas grundsätzlich halbvoll".

Musikalisch bleibt Krumbiegel dabei bodenständig. Viel klassischer Pop, Klavier, Gitarren, Chöre – hier blitzt immer wieder der typische Prinzen-Sound durch. Wichtiger ist ihm die Botschaft: Unterhaltung und Haltung gehören zusammen. Oder, wie er es selbst formuliert: In "Unterhaltung" steckt eben auch "Haltung".

Prinzen-Frontmann will als Solo-Künstler weitermachen

Insgesamt 14 Songs haben es aufs Album geschafft.  © PR

Vielleicht erklärt genau das, warum "Kompass" gerade ein wenig untergeht. Es ist kein lautes Album, nicht spektakulär, kein Chart-Hype. Während die große Erzählung vom Ende der Prinzen alles überstrahlt, wirkt dieses Werk fast wie ein persönlicher Zwischenruf.

Während sich Die Prinzen als eine der prägendsten deutschen Popbands langsam verabschiedet, zeigt ihr Frontmann, worum es ihm immer ging: nicht nur Hits zu schreiben, sondern sich einzumischen, Fragen zu stellen und Haltung zu zeigen – ohne dabei den Humor zu verlieren.

Er sei in der Band gegen deren Auflösung gewesen, aber von den anderen überstimmt worden, so Krumbiegel. Als Solokünstler wird er weitermachen. "Kompass" ist dafür ein ziemlich klares Statement: Auch wenn etwas zu Ende geht, heißt das nicht, dass nichts mehr zu sagen ist.

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