Anschlag auf Weihnachtsmarkt "begünstigt"? U-Ausschuss kritisiert Behörden

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Magdeburg - Nach Erkenntnissen des Untersuchungsausschusses des Landtags von Sachsen-Anhalt haben Defizite von gleich mehreren Behörden den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt begünstigt. "Schwächen und Fehler im Handeln von Behörden haben es dem Täter - zusammen betrachtet - leicht gemacht, diese Überfahrttat zu begehen", heißt es im Entwurf des Abschlussberichts, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und über den zuerst die "Mitteldeutsche Zeitung" berichtete.

Am 20. Dezember 2024 verübte Taleb A. (51) den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt.
Am 20. Dezember 2024 verübte Taleb A. (51) den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Eine Verhinderung der Tat war "nur wahrscheinlich, wenn alle Beteiligten ihrer Verantwortung gerecht geworden wären, der Weihnachtsmarkt ordentlich abgesichert gewesen wäre und es ein funktionierendes und gut geübtes Bedrohungs- und Gefährdungsmanagement unter Einbeziehung wichtiger nichtpolizeilicher Institutionen und forensischer Experten gegeben hätte", heißt es in dem 110-seitigen Bericht.

Am 20. Dezember 2024 war der damals 50-jährige Taleb A. mit einem mehr als zwei Tonnen schweren Auto etwa 350 Meter weit über den Magdeburger Weihnachtsmarkt gefahren. Dabei starben fünf Frauen und ein neunjähriger Junge.

Mehr als 300 Menschen wurden teils schwerst verletzt und noch immer haben weitaus mehr mit den psychologischen Folgen zu kämpfen.

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Magdeburg Für mehr Sicherheit nach Anschlag: Eine Million Euro für Umbau des Alten Markts

Seit dem 10. November läuft vor dem Landgericht Magdeburg der Prozess gegen den Todesfahrer, der in einem extra dafür errichteten Gebäude stattfindet. Während sich das Gerichtsverfahren auf die strafrechtliche Aufarbeitung konzentriert, untersuchte der Untersuchungsausschuss des Landtags vor allem das Verhalten der Behörden sowie mögliche politische Verantwortlichkeiten.

Verantwortung wurde zwischen Institutionen abgewälzt

Laut U-Ausschluss fühlte sich keine Seite "verantwortlich".
Laut U-Ausschluss fühlte sich keine Seite "verantwortlich".  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Genehmigungsverfahren zum Weihnachtsmarkt, die Sicherheits- und Einsatzkonzepte sowie deren praktische Umsetzung hätten den Anschlag "begünstigt oder ermöglicht", heißt es in dem Berichtsentwurf.

Zwar sei der Markt durchaus mit Betonpfeilern gesichert worden, diese wurden allerdings fehlerhaft platziert, sodass sich zwischen den einzelnen Betonteilen teils mehrere Meter breite Lücken auftaten.

"Es kam zu einer Verantwortungsdiffusion zwischen den drei beteiligten Institutionen (Veranstalter, Stadt, Polizeirevier), keine Seite fühlte sich verantwortlich", heißt es im Entwurf. Die fehlende Verantwortlichkeit habe zu "Oberflächlichkeit in der Sicherheitsbewertung" geführt.

Land Sachsen-Anhalt trägt "gewisse Mitverantwortung"

Das Land Sachsen-Anhalt hätte eine "Mitverantwortung" an den Geschehnissen.
Das Land Sachsen-Anhalt hätte eine "Mitverantwortung" an den Geschehnissen.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Mit Bezug auf die Polizei sagt der Bericht, dass "die nötige Übersicht und Durchsetzung von sicheren Gesamtumständen" gefehlt habe. Beim Land Sachsen-Anhalt sieht der Ausschuss eine "gewisse politische Mitverantwortung", da nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz Ende 2016 keine klareren Vorgaben für die Zuständigkeiten und die Verantwortlichkeiten aufgestellt worden seien.

Im weiteren Verlauf des Entwurfes wird beschrieben: "Die politische Verantwortung ist ganz überwiegend bei der Stadt Magdeburg zu verorten." Am nächsten Montag kommt der Untersuchungsausschuss zu einer nächsten Sitzung zusammen, um den Entwurf des Abschlussberichts erneut zu diskutieren.

Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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