"Höllenmischung": Magdeburg-Attentäter nahm schon früher starke Medikamente

Von Simon Kremer

Magdeburg - Der Attentäter des Magdeburger Weihnachtsmarktes hat bereits mehr als zehn Jahre vor dem Anschlag starke Medikamente genommen.

Bei dem Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt kamen sechs Menschen ums Leben. (Archivbild)
Bei dem Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt kamen sechs Menschen ums Leben. (Archivbild)  © Hendrik Schmidt/dpa

Bei einer polizeilichen Durchsuchung von dessen Wohnung in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) seien unter anderem Aufputsch- und Schmerzmittel gefunden worden, sagte ein früherer Polizeikommissar im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Magdeburger Landtags.

Die Zusammensetzung der Medikamente sei "immer eine Höllenmischung im Körper", erinnerte der frühere Kriminalhauptkommissar Walter Veicht die Durchsuchung.

Unter anderem sei das starke Schmerzmittel Tramadol gefunden worden, das aus der Gruppe der Opioide kommt und bei unsachgemäßer Anwendung süchtig machen kann.

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Die Wohnung sei unordentlich gewesen, es seien aber keine Hinweise auf Bombenbau gefunden worden, berichtete der damalige Polizeibeamte, der überwiegend im Bereich Staatsschutz tätig war, weiter.

Taleb A. (50), der beim Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt im vergangenen Jahr sechs Menschen getötet und mehr als 300 zum Teil schwer verletzt hatte, war bereits in der Vergangenheit auffällig geworden.

Unter anderem hatte der Arzt aus Saudi-Arabien im April 2013 einer Mitarbeiterin der Ärztekammer in Mecklenburg-Vorpommern gedroht. Taleb A. hatte in Mecklenburg-Vorpommern einen Teil seiner Facharztausbildung absolviert.

Neben Medikamenten auch pornografisches Material gefunden

Attentäter Taleb A. (50) soll bereits weit vor seinem geplanten Anschlag Medikamente zu sich genommen haben. (Archivbild)
Attentäter Taleb A. (50) soll bereits weit vor seinem geplanten Anschlag Medikamente zu sich genommen haben. (Archivbild)  © IMAGO/Hanno Bode

Neben den Medikamenten sei auf dem Laptop auch pornografisches Material gefunden worden, betonte der frühere Polizist Veicht vor dem Untersuchungsausschuss.

Es habe keine Hinweise auf politische Motivation bei den Drohungen gegeben. "Alles, was er getan hat, war immer nur aufgrund seines persönlichen Unvermögens, die Dinge in Deutschland zu regeln, die geregelt werden müssen", sagte Veicht.

Alles Unglück, das er für sich erlebt hat, habe er auf andere abgewälzt. "Er war nie an irgendetwas selbst schuld."

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Die Ermittlungen gegen Taleb A. sind inzwischen abgeschlossen.

Einen Termin für den Beginn des Gerichtsverfahrens gibt es noch nicht. Der Prozess könnte im Herbst beginnen.

Titelfoto: IMAGO/Hanno Bode

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