Magdeburg - Eine Mini-Version des Griechen-Epos "Die Odyssee" wird derzeit im Magdeburger Kunstmuseum gezeigt. Das Publikum sollte bei einem Besuch des besonderen Theaterabends aber an festes, bequemes Schuhwerk und Lust aufs Mitmachen denken.
Nach dem Riesen-Erfolg von "NippleJesus", was seit mittlerweile vier Jahren durchweg ausverkauft spielt, versucht das Theater Magdeburg jetzt mit "Die Odyssee (XS)" nachzulegen.
In dieser Fassung geht es zwar um Odysseus, jedoch kommt er selbst nicht zu Wort. Die beiden Schauspieler Viktor Bashmakov und Michael Ruchter spielen zwei ehrfürchtige Herolde, die die Ankunft ihres Helden erwarten und währenddessen seine Abenteuer erzählen.
Die von Carlotta Salamon inszenierte Reise beginnt nach einem ersten Treppenaufgang im Kunstmuseum. Die Herolde begrüßen ihr Publikum und rennen dann auch schon voraus - die Zuschauer müssen hinterher. Über die knapp 100 Minuten Spieldauer wird ganze sechsmal der Raum gewechselt.
Wer sich also einen Theaterabend erhofft hatte, bei dem man sich setzt und berieseln lässt, der ist hier falsch. Die Zuschauer werden prompt in das Stück eingebunden, müssen spontane Antworten auf teils elementare Fragen geben oder auch mal ein Schaf spielen - Ja, das "Mäh" war auch von jedem verlangt.
"Die Odyssee (XS)": Ein Theaterstück, was nicht im Theater spielt
Bashmakov und Ruchter werfen sich mit vollem Körpereinsatz in die einmalige Szenerie, die nur das Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen bieten kann.
Mit einigen wenigen Requisiten jagen die beiden durch die Räume, singen, musizieren und decken dabei in halsbrecherischem Tempo die Erzählungen von ihren Abenteuern ab: von dem Versteck im trojanischen Pferd, der Konfrontation mit dem Zyklopen bis hin zu einer gemeinsamen Flucht, um Odysseus zuvorzukommen.
Dabei ist auf der "Bühne" so viel los, dass es nie langweilig wird - im Gegenteil, "Die Odyssee (XS)" ist verdammt komisch - jedoch bleibt vom Inhalt am Ende kaum etwas hängen.
Das macht dem Schauspiel aber keinen Abstrich, ist es nämlich kein Lehrstück. Viel mehr ist es ein wirklich einmaliger Theaterabend.
Ist "Die Odyssee (XS)" einen Besuch wert?
Wichtig zu wissen: Das Event ist nicht barrierefrei. Auch gibt es in den Räumen nur vereinzelte Sitzmöglichkeiten, sodass mehrere Zuschauer stehen müssen. Also sollte man (im Gegensatz zur TAG24-Autorin am Premierenabend) an bequemes Schuhwerk denken.
Fazit: "Die Odyssee (XS)" ist ein immersiver und vor allem unterhaltsamer Theaterabend - nur eben nicht im Theater. Das Kunstmuseum bietet eine einzigartige Kulisse, die durch die clevere Inszenierung toll genutzt wird. Die beiden Schauspieler jonglieren starke Texte, musikalische Einwürfe und improvisierte Interaktion mit dem Publikum gekonnt.
Es ist nicht nur ein Schauspiel, sondern ein Erlebnis, was man nicht alle Tage sieht.
Weitere Vorstellungen findet Ihr auf dem Spielplan des Theaters.