"Die müssen mich nicht haben": Halles Opernchef über Kulturpläne der AfD in Sachsen-Anhalt
Halle (Saale) - Was passiert mit Sachsen-Anhalts Kultur, wenn die AfD künftig die Landesregierung anführt? Die Partei hat dazu konkrete Vorstellungen. Halles Opernintendant Walter Sutcliffe (50) sieht manches davon kritisch – würde das Gespräch mit der Partei aber nicht verweigern.
Bei der Landtagswahl holte die Partei 43,8 Prozent der Zweitstimmen und 39 der insgesamt 83 Sitze. Für eine alleinige Mehrheit reicht das nicht.
Auch deshalb wird nun genau darauf geschaut, welche Pläne der AfD tatsächlich umgesetzt werden könnten. In ihrem Programm fordert die Partei eine stärkere Ausrichtung der geförderten Kunst an deutscher Kultur und Identität.
Bereits in früheren Programmen hatte der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestufte Landesverband zudem deutliche Einschnitte bei der Theaterförderung gefordert.
Sutcliffe selbst habe das Wahlergebnis nicht überrascht. Die Entwicklung sei in den Umfragen seit Monaten absehbar gewesen.
"Wir sind in einer Demokratie. Leute stimmen für etwas", sagte der gebürtige Engländer im Gespräch mit TAG24.
Was eine mögliche AfD-Regierung am Ende wirklich für die Oper Halle bedeuten würde, könne derzeit niemand sagen. Genau darüber müsse gesprochen werden.
Opernchef würde sich gegen Vorgaben wehren
Vor allem bei der Frage nach "deutscher Kultur" hat Sutcliffe eine klare Haltung. Für ihn lebt Kultur vom Austausch über Ländergrenzen hinweg.
So seien etwa Wagner durch Paris und Händel durch seine Aufenthalte in Italien geprägt worden. "Eine deutsche Kultur existiert nicht nur in Deutschland", sagte der Intendant. Kunst sei "immer ein Fluss und ein Dialog".
Auch seinen Spielplan will Sutcliffe nicht nach der Herkunft der Komponisten ausrichten. Sollte von ihm verlangt werden, ausschließlich deutsche Werke aufzuführen, würde er dagegenhalten.
"Die müssen mich nicht haben, wenn sie mich nicht haben wollen", sagte er mit Blick auf seine Position.
Eine konkrete rote Linie für einen möglichen Abschied aus Halle wollte Sutcliffe allerdings nicht nennen. Klar sei für ihn nur: "Wenn man keine Kunst machen kann, kann man das nicht mehr machen." Dann müsse man sich etwas anderes oder einen anderen Ort suchen.
Mit AfD-Politikern würde der Opernchef trotzdem sprechen. Als öffentlich finanziertes Haus suche die Oper grundsätzlich den Austausch mit den politischen Parteien.
Abseits der Politik läuft der Betrieb in Halle unterdessen weiter. Nach vielen Proben steht an diesem Samstag eine Premiere an. Auch die Nachfrage des Publikums habe sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt.
Titelfoto: imago/Steffen Schellhorn

