Intel rückt weiter vom Baustart in Magdeburg ab: Ist der Produktionsstart nun gefährdet?

Magdeburg - Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (43, CDU) blickt weiter optimistisch auf die geplante Ansiedlung des US-Chipherstellers Intel in Magdeburg.

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (43, CDU) bleibt im Hinblick auf den verzögerten Baustart von Intel in Magdeburg entspannt.
Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (43, CDU) bleibt im Hinblick auf den verzögerten Baustart von Intel in Magdeburg entspannt.  © Matthias Bein/dpa

"Ich sehe einen Produktionsstart 2027, spätestens 2028 nicht gefährdet", sagte Schulze in einem Interview. "Für uns - also für das Land und die beteiligten Kommunen - gilt weiterhin höchstes Tempo. Wir müssen alles so vorbereiten, dass wir bereit sind, wenn Intel das Startsignal gibt." Die Erschließung des Hightechparks koste das Land in den kommenden zehn Jahren geschätzt 500 Millionen Euro.

Im März 2022 hatte Intel bekannt gegeben, dass in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt ab 2027 Chips der neuesten Generation produziert werden sollen. In einer ersten Ausbaustufe sollen zwei Halbleiterwerke gebaut werden, mehrere Tausend Arbeitsplätze könnten entstehen.

Intel hatte kürzlich betont, man stehe zu den Investitionsplänen, und 2024 als mögliches Jahr für den Baustart genannt.

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Zudem rückte das Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Magdeburg in den Fokus. Es geht um die Energie- und Baukosten sowie um Personal.

Intel hatte Baustart in Magdeburg um ein Jahr verschoben

Die Baumaßnahmen für die Riesen-Fabrik des Chipherstellers hätten längst begonnen werden müssen.
Die Baumaßnahmen für die Riesen-Fabrik des Chipherstellers hätten längst begonnen werden müssen.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Intel-Vorstand Keyvan Esfarjani sagte in einem Interview "Zeit online": "Deutschland hat seine eigenen Experten dafür, die wissen, wie man die Energiepreise wieder auf unter 6 bis 8 Cent bekommt. Ich kann nur sagen: Eine Chipfabrik mit Strompreisen von 50 Cent (je Kilowattstunde) ist definitiv nicht wettbewerbsfähig."

Wirtschaftsminister Schulze bezeichnete die Forderung als verständlich. "Intel braucht Planungssicherheit. Und in vielen Regionen der Welt ist Energie deutlich günstiger." In einer Taskforce in Berlin würden die Fragen diskutiert. "Bei den Energiekosten sind wir auf einem guten Weg. Ich denke, dass ein Preis von um die zehn Cent machbar ist", so der Minister.

Er betonte, dass er dankbar sei, dass der Bund die Investition mit 6,8 Milliarden Euro fördern wolle. "Über ein noch höheres Volumen reden wir derzeit nicht - wir sprechen vielmehr darüber, wie wir künftig anfallende Kosten reduzieren können."

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Intel sei stark an erneuerbaren Energien interessiert, deshalb sei der Bau großer Windkraftanlagen in Sachsen-Anhalt ein Thema. "Ein weiteres Thema ist ein Energiekonsortium, mit dem Intel langfristig direkte Lieferverträge zu guten Konditionen vereinbaren kann." Mit Blick auf die Baukosten sagte Schulze, niemand wisse, wohin sie sich entwickelten.

Wirtschaftsminister Schulze hob zudem die geplante verstärkte Fachkräftegewinnung hervor. Den Fachleuten aus der ganzen Welt und ihren Familien sollten beste Startbedingungen geboten werden.

"Sachsen-Anhalt muss sich zu einem Top-Land in der internationalen Akquise entwickeln", das gelte auch mit Blick auf andere Unternehmensansiedlungen. "Sachsen-Anhalt braucht Zehntausende Arbeitskräfte in allen Qualifikationsniveaus."

Titelfoto: Bildmontage: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa, Matthias Bein/dpa

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