Grab mit 42 Kriegstoten entdeckt: Viele Frauen unter den Opfern
Koserow - Einen außergewöhnlichen und erschütternden Fund haben Engagierte der Kriegsgräberfürsorge 81 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf der Insel Usedom gemacht. Auf dem Friedhof Koserow wurden in einer Grabstätte 42 Kriegstote entdeckt und damit deutlich mehr als zuvor angenommen.
In drei langen Gräben habe man die Gebeine gefunden, sagte Joachim Kozlowski vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. "Schulter an Schulter." Zuvor hatte die "Ostsee-Zeitung" über den Fund berichtet.
Vor Ort gibt es einen Grabstein mit der Aufschrift "Den unbekannten Opfern des Zweiten Weltkrieges". Laut Kozlowski war angenommen worden, dass es sich um sechs Tote handelt. "Dann gab es eine vage Aussage, dass es möglicherweise wohl auch mehr sein könnten. Aber dass es dann am Ende 42 wurden, also damit hat keiner von uns gerechnet."
Auf vielen deutschen Friedhöfen gebe es Hinweise auf Kriegstote. Teils befänden sich in solchen Anlagen aber auch gar keine Toten.
Das Alter zum Zeitpunkt des Todes reicht laut Kozlowski vom Kindes- und Jugendlichenalter, etwa 12, 14 und 16, bis in den Bereich von 70 Jahren. Außerdem seien vergleichsweise viele Frauen dabei. Insgesamt seien zehn Erkennungsmarken gefunden worden, etwa die einer Marinehelferin.
Einige Opfer in Lazarett behandelt
Es gebe Hinweise auf Behandlungen in einem Lazarett. "Es gab Menschen mit frischen Amputationsverletzungen, wo man beispielsweise eben Gliedmaßen abgesägt hatte", sagte Kozlowski. "Also es waren durchweg sehr deutliche Zeichen dafür, dass es sich dabei zweifelsfrei um Kriegstote handelt."
Neben Schussverletzungen sei die Schwere der Verletzungen an einigen Schädeln auffällig. "Es gab wirklich viele Rückschlüsse auf erhebliche stumpfe Gewalt gegen den Kopf", erklärte der 54-Jährige. "Ich gehe davon aus, dass viele dieser Menschen tatsächlich erschlagen worden sind."
Der Volksbund widmet sich im Auftrag der Bundesregierung unter anderem der Aufgabe, Kriegstote zu suchen und zu bergen, sie würdig zu bestatten und ihre Gräber zu pflegen. Dabei hilft er teils auch, den Verbleib von Kriegsopfern aufzuklären. Anhand etwa der Erkennungsmarken könnten dann etwa Anfragen, die von Angehörigen ans Bundesarchiv gestellt wurden, beantwortet werden.
Jährlich werden laut Volksbund allein im Inland zwischen 250 und 300 Tote geborgen. Darunter seien Soldaten der Roten Armee, Wehrmachtsangehörige und gerade um Berlin herum das sogenannte letzte Aufgebot, Hitlerjungen und Volkssturmmänner, aber auch Zivilisten und Flüchtlinge.
Titelfoto: Stefan Sauer/dpa

