"Für Frauen waren IS-Kämpfer wie Popstars": 28-Jähriger nennt absurden Grund für Bombenbau
Von Frederick Mersi
München - Wegen der Vorbereitung eines Bombenanschlags ist ein 28-Jähriger vom Landgericht München I zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Nach Überzeugung des Gerichts hatte der syrische Flüchtling eine Bombenbau-Anleitung aus dem Internet heruntergeladen und Material aus Streichholz-Zündköpfen gewonnen.
Verurteilt wurde der Mann unter anderem wegen Terrorismusfinanzierung und der Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Verteidigung und die Generalstaatsanwaltschaft München können binnen einer Woche Revision zum Bundesgerichtshof einlegen.
Der in Unterfranken festgenommene 28-Jährige hatte zum Auftakt des Verfahrens die Vorwürfe der Anklage weitgehend eingeräumt. "Ich habe nie einen konkreten Anschlagsplan gehabt", ließ der Angeklagte vor dem Landgericht München I über seinen Anwalt zwar erklären.
Zur Wahrheit gehöre aber auch, "dass ich nicht weiß, wie weit ich abgedriftet wäre, wenn ich nicht festgenommen worden wäre". Als Motiv gab der junge Mann an: "Es klingt absurd, aber diese Frauen standen regelrecht darauf."
Bombenbauer ließ sich von Frauen mitreißen
Als die Ehe mit seiner Frau in eine Krise geriet, habe er sich in sozialen Medien ablenken wollen und sei da mit heiratswilligen Frauen mit Sympathien für die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Kontakt gekommen.
"Ich muss heute gestehen, dass ich mich von den Frauen habe mitreißen lassen", erklärte der 28-Jährige über seinen Anwalt. "Für die Frauen waren IS-Kämpfer wie Popstars, denen sie sich an den Hals werfen wollten."
Ermittler fanden auch neun Flaschen Brenngel
Laut Anklage bewahrte der 28-Jährige unter anderem neun Flaschen Brenngel und potenziell explosives Kaliumchlorat aus Streichholzköpfen in seiner Wohnung im unterfränkischen Kolitzheim bei Schweinfurt auf.
Außerdem wurden ein Butterflymesser und ein Schlagstock gefunden. Das Brenngel sei in seiner Wohnung gewesen, weil er es gebraucht habe, um auf traditionelle Weise Kaffee zu kochen, ließ der 28-Jährige mitteilen. Der Rest aber sei dazu gedacht gewesen, Sprengsätze zu bauen.
Die Voraussetzungen für eine Verurteilung wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalthandlung sah das Gericht zwar letztlich nicht erfüllt.
Der Mann habe sich aber der Terrorismusfinanzierung schuldig gemacht, weil er sich Gegenstände zum Bombenbau verschafft habe. Die Strafe sei vor allem wegen seines Geständnisses milder ausgefallen.
Der 28-Jährige will sich bei der deutschen Bevölkerung entschuldigen
Die Aussage des jungen Mannes war Teil eines sogenannten Deals von Staatsanwaltschaft und Verteidigung mit dem Gericht. Bei einem umfänglichen Geständnis hatte die Kammer dem Angeklagten eine Strafe von höchstens drei Jahren und vier Monaten in Aussicht gestellt.
Der 28-Jährige betonte, er wolle sich bei der deutschen Bevölkerung entschuldigen. Nach eigenen Angaben konvertierte er in der Untersuchungshaft zum Christentum, einst war er mit seiner Familie vor dem Islamischen Staat nach Deutschland geflohen. "Heute tut mir das alles unendlich leid."
Titelfoto: Matthias Balk/dpa
