Nach Berg-Drama um Schulgruppe aus Deutschland: Warnung vor Wander-Infos aus dem Internet!

Mittelberg/München - Wunderschönes Bergpanorama auf Instagram, knackige Routenbeschreibungen: Wie die Lehrer der in Österreich geretteten Schulgruppe lassen sich zahlreiche Wanderer oft im Internet für ihre Touren inspirieren.

Wandern kann Spaß machen - wenn der Plan stimmt. (Symbolbild)
Wandern kann Spaß machen - wenn der Plan stimmt. (Symbolbild)  © Nicolas Armer/dpa

Nach der Rettung von mehr als 100 deutschen Schülern und Lehrern aus Bergnot im Nachbarland warnen der Deutsche Alpenverein (DAV) und die Bergwacht Bayern nun nochmals deutlich davor, Tourenbeschreibungen aus dem Internet einfach ungeprüft in eigene Planungen zu übernehmen.

"Leider gibt es auch Tourenbeschreibungen, die ungenau sind und den Anspruch oder die Schwierigkeit einer Route und das Gefahrenpotenzial nicht genau wiedergeben", sagte Stefan Winter, der für das Ressort Breitensport, Sportentwicklung und Sicherheitsforschung zuständig ist, der Deutschen Presse-Agentur.

"Es gibt zwei große Herausforderungen", sagte der Sprecher der Bergwacht, Roland Ampenberger, und führte im Anschluss weiter aus: "Verifizierung der Informationen und diese Informationen auf das eigene Vorhaben zu übertragen und die eigenen Fähigkeiten anzupassen." Dies ist extrem wichtig.

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Die 99 Jugendlichen im Alter von 12 bis 14 Jahren und ihre acht Lehrer aus dem Raum Ludwigshafen waren am Dienstag im österreichischen Kleinwalsertal mit Hubschraubern aus einer Bergnotlage gerettet und in Sicherheit gebracht worden.

Sie waren zuvor nach Polizeiangaben auf einer für ihre Ausrüstung und Fähigkeiten zu schwierigen Route unterwegs.

Lehrer der deutschen Schulklasse hatten Route im Internet ausgesucht

Rettung aus Bergnot: Die Lehrer der Schulklasse aus dem Raum Ludwigshafen hatten die gewählte Route im Internet ausgesucht.
Rettung aus Bergnot: Die Lehrer der Schulklasse aus dem Raum Ludwigshafen hatten die gewählte Route im Internet ausgesucht.  © --/Landespolizeidirektion Vorarlberg/APA/dpa

Die Lehrer hätten die entsprechende Route aufgrund von irreführenden Informationen aus dem Internet ausgesucht, wo sie als "klassische Feierabendrunde" beschrieben worden sei.

Tatsächlich handelt es sich bei dem äußerst schmalen Heuberggrat um einen teilweise von Kletterpassagen unterbrochenen Weg, der laut Polizei "Schwindelfreiheit, Trittsicherheit sowie Erfahrung im alpinen Gelände erfordert".

Es gebe immer häufiger solche "äußerst verantwortungslose Interneteinträge, die zu lebensbedrohlichen Situationen führen", sagte der Bürgermeister von Mittelberg, Andi Haid.

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"Das Schwierige an Beschreibungen im Internet ist, dass nicht bekannt ist, wie erfahren und leistungsstark die Autoren sind", sagte Winter vom DAV. "So wird ein Profibergsteiger eine mittelschwere Tour als einfach titulieren, während diese Tour für einen Anfänger bereits an seinem persönlichen Limit ist."

Er empfiehlt darum, immer ins Impressum zu schauen und auch zu prüfen, wer der Autor der Routenbeschreibung ist. Ampenberger von der Bergwacht empfiehlt zur Vorbereitung die Plattformen der alpinen und der Tourismusverbände.

Influencer sind durch Bilder auf Instagram oder TikTok ein Teil des Problems

Bilder von einem traumhaften Bergpanorama auf Instagram oder TikTok zeigen nicht immer die ganze Wahrheit. (Symbolbild)
Bilder von einem traumhaften Bergpanorama auf Instagram oder TikTok zeigen nicht immer die ganze Wahrheit. (Symbolbild)  © Andreas Gebert/dpa

Im März hatte der Tod dreier Wanderer in den bayerischen Alpen eine Diskussion über Wander-Apps ausgelöst. Die vierköpfige Wandergruppe hatte sich daran orientiert und die Route geändert.

An einer extrem steilen und grasigen Rinne an der Maiwand rutschten ein Paar aus dem Landkreis Regensburg im Alter von 35 und 44 Jahren sowie ein 35-jähriger Mann aus dem Raum Straubing ab und stürzten in die Tiefe - und damit in ihren Tod.

"Viele sind heute öffentliche Nahverkehrsapps gewohnt und erwarten dann, dass eine App in der Natur genauso verlässlich funktioniert, aber das lässt sich nicht eins zu eins übertragen auf das Gebirge", sagte Ampenberger. Es sei jedoch wichtig, die entsprechende Realität vor Ort auch zu prüfen: "Anstatt mal rauszuschauen, wie die Wolken wirklich sind, schaut man in die Wetter-App."

Ein Problem seien auch Influencer, die auf Instagram oder TikTok Bilder von traumhaftem Bergpanorama zeigen - aber nicht, wie schwer es teilweise ist, dorthin zu kommen.

"Dort geht es nur um schöne Bilder und nicht um seriöse Hintergrundinformationen", sagte Winter und nannte das Beispiel einer "märchenhaft schönen Gumpe im Nationalpark Berchtesgaden", die einen derartigen Hype sowie Ansturm an Selfie-Touristen auslöste, dass der Park ein Betretungsverbot verhängte. Wichtig sei, betont Winter deutlich, "dass es eine ausführliche Tourenplanung braucht und man nicht nur Social-Media-Posts hinterher hetzt".

Titelfoto: Nicolas Armer/dpa

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