Von Sabine Dobel und Roland Freund
München - Bier, Blasmusik und volle Festzelte – so kennt die Welt das Münchner Oktoberfest. Doch wenige Monate vor dem Anstich sorgt ein juristischer Streit um die berühmten Bierburgen für Unruhe: Im schlimmsten Fall könnten zwei große Zelte nicht rechtzeitig stehen, darunter das berühmte Anzapfzelt Schottenhamel, seit 1867 in Händen der Familie Schottenhamel.
Der Wirt Alexander Egger will auf gerichtlichem Weg erreichen, dass große Oktoberfestzelte nach europäischem Vergaberecht ausgeschrieben werden.
Egger hat beim Bayerischen Obersten Landesgericht den Eilantrag gestellt, dass die Stadt München die Wirte der beiden betroffenen Zelte – neben dem Schottenhamel-Zelt die Paulaner-Festhalle – bis zur Entscheidung in der Hauptsache nicht für das Fest zulassen darf.
Zwei Szenarien sind möglich: Lehnt das Gericht den Eilantrag ab, bekommen die Wirte ihre Verträge und die Wiesn-Vorbereitungen laufen wie geplant weiter. Wird die aufschiebende Wirkung hingegen verlängert, drohen massive Konsequenzen: Bereits ab dem 29. Juni startet offiziell der Aufbau der Festhallen.
Die Betreiber warnen, dass schlimmstenfalls die Plätze von Schottenhamel und Paulaner-Zelt leer bleiben könnten.
Solange keine rechtskräftige Entscheidung vorliege, könne der Aufbau nicht beginnen, heißt es bei der Paulaner-Brauerei. "Wenn wir nicht rechtzeitig aufstellen können, dann stellen wir gar nicht auf", sagt auch Michael F. Schottenhamel.
"Und dann steht auf dieser Fläche kein Zelt, sondern vielleicht drei Kioske." Christian Schottenhamel sinniert: "Steht da dann ein Zaun drumrum? Oder ist das dann eine Fläche für ein paar Karussells?"
Wiesn-Wirte-Sprecher: "Er hat nichts davon, richtet aber einen Riesen-Schaden an"
Er scheint auch persönlich enttäuscht. "Ich habe Herrn Egger ursprünglich als Freund und Bekannten erlebt", sagt Christian Schottenhamel. "Im März hat er noch gesagt: Er wird nicht klagen."
Egger, der bisher mit der Münchner Stubn ein kleines Wiesn-Zelt mit einigen Hundert Plätzen betreibt, will ein großes Zelt mit mehreren Tausend Plätzen. Er bewarb sich, ging aber bei der Vergabe nach einem Punktesystem leer aus.
Was ihn zu dem aufwendigen Streit treibt, gibt vielen Rätsel auf. Mancher fragt sich, ob Egger wirklich nur für sich handelt.
Wirte-Sprecher Peter Inselkammer warnte vor einer grenzenlosen Kommerzialisierung, sollte sich Egger durchsetzen. Bei einer europaweiten Ausschreibung gerate das Oktoberfest ins Visier multinationaler Konzerne.
"Er hat nichts davon, richtet aber einen Riesen-Schaden an", sagt Inselkammer. "Sich reinzuklagen, ist keine bayerische Art! Die Wiesn ist ein Gemeinschaftsprojekt."
Oktoberfest 2026: Sorge um Verlust von Tradition
Egger selbst hatte sein Vorgehen so erklärt: "Wir wollen, dass die Stadt München die begehrten Festzeltplätze künftig nach transparenten, objektiven und fairen Kriterien vergibt, und damit allen leistungsfähigen Bewerbern eine reelle und gleichberechtigte Chance auf ein großes Festzelt eröffnet."
In erster Instanz vor der Vergabekammer Südbayern scheiterte er mit seinem Antrag. Die Ablehnung war in München weithin begrüßt worden.
Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) sagte, die Wiesn sei weit mehr als eine Großveranstaltung – "sie ist Ausdruck bayerischer Lebensart, ein Stück gelebter Kultur und ein weltweit bekanntes Symbol für München".