Vergewaltigung! Pfleger missbrauchte Rentnerin im Heim

Chemnitz - Fassungslos schüttelten die Angehörigen von Gisela H. (85) im Gerichtssaal den Kopf, als die Anklage gegen Enrico H. (43) verlesen wurde: Der Altenpfleger soll die Rentnerin im Seniorenheim vergewaltigt haben. In dem Heim, in welchem seine eigene Freundin die Pflegechefin ist. Kurz darauf gestand der Chemnitzer die widerliche Tat.

Enrico H. (43) hat eine Rentnerin missbraucht.
Enrico H. (43) hat eine Rentnerin missbraucht.  © Sven Gleisberg

Eine Seniorenresidenz auf dem Kaßberg, unweit vom Amtsgericht: Hier leben knapp 80 ältere Menschen in 63 kleinen Wohnungen, werden von einem ambulanten Pflegedienst betreut. Essen, Medikamente - die Senioren vertrauen ihren Helfern. Auch Gisela H. kannte das nicht anders. Der 2. März 2018 begann als ganz normaler Freitag. Enrico H. schaute bei der rüstigen Seniorin, die an Demenz erkrankt ist, vorbei.

Dann das Unfassbare: Der 43-Jährige schickte die alte Dame ins Schlafzimmer. Dort sollte sie sich ausziehen - er müsse sie untersuchen. Dann legte sich der Mann halbnackt neben die Frau aufs Bett, missbrauchte die hilflose Chemnitzerin.

Fast wäre die Tat unentdeckt geblieben. Doch Gisela H. reagierte: Sie rief ihre Töchter an, klagte über Schmerzen im Unterleib. Die geschockten Kinder holten die Rentnerin kurzerhand aus der Wohnung, fuhren mit ihr zur Frauenärztin.

Dort konnten entscheidende Spuren gesichert werden - Enrico H. war überführt. Der Mann stammelte am Donnerstag im Prozess: "Es tut mir leid." Verteidiger Reinhardt Röthig: "Mein Mandant räumt alle Vorwürfe ein." Vorher hatten Anklage, Gericht und Verteidigung hinter verschlossenen Türen einen Deal ausgehandelt: Wenn Enrico H. gesteht, kommt er mit Bewährung davon.

Durch dieses Geständnis ersparte der Angeklagte dem Opfer die Aussage. Gisela H. verfolgte das Ende des Prozesses im Gerichtssaal, hatte dabei zeitweise Tränen in den Augen. Am Ende kassierte der Oma-Schänder zwei Jahre Haft - ausgesetzt zu drei Jahren Bewährung. Außerdem bekam der Mann ein Kontaktverbot, darf sich seinem Opfer nicht mehr allein nähern.

Gisela H. lebt immer noch in dem Seniorenheim. Der Vertrag mit dem Pflegedienst, für den Enrico H. immer noch arbeitet, wurde aufgelöst. Für die Angehörigen unfassbar: Der Pflegedienst selber kündigte der Rentnerin kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe den Vertrag.

Die offizielle Begründung: "Vertrauensmissbrauch". Die Verantwortliche des Pflegedienstes wollte sich am Donnerstag zu diesem Vorgang nicht äußern, verschwand wortlos aus dem Gerichtsgebäude.

Titelfoto: Sven Gleisberg

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