Richter über Nazi-Schwibbogen: "Das Perverseste, was ich seit langem gesehen habe"

Chemnitz - O du Schreckliche! Marko H. (36) aus Chemnitz schmückte seine Wohnung zur Weihnachtszeit mit einem Nazi-Schwibbogen (TAG24 berichtete). Amtsrichter Kai Schüler (55) reagierte fassungslos: "Das Perverseste, was ich seit langem gesehen habe." Geldstrafe!

Marko H. (36) hatte sich wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vor dem Chemnitzer Amtsgericht zu verantworten.
Marko H. (36) hatte sich wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vor dem Chemnitzer Amtsgericht zu verantworten.  © privat

Marko H. zeigte sich geständig. "Es war eine dumme, unüberlegte Sache." Den Schwibbogen habe er von einem Bekannten bekommen. Am 26. November 2019 wurde der Schwibbogen an seinem Fenster entdeckt und beschlagnahmt. Am Amtsgericht wurde der Fall gestern als beschleunigtes Verfahren behandelt.

Die Symboliken hätten kaum menschenverachtender sein können: Neben einem Hakenkreuz (fünf mal fünf Zentimeter) zeigt der Weihnachtsschmuck das Auschwitz-Tor samt Aufschrift "Arbeit macht frei" sowie SS-Runen. Selbst für den Richter harter Tobak. "Was macht Sie zum Herrenmenschen? Wollten Sie an der Rampe stehen oder das Gas bedienen?"

Der Nazi-Schwibbogen war nicht die erste Entgleisung des Betonbauers. In der Akte sind bereits vier Vorstrafen vermerkt (dreimal Körperverletzung, einmal versuchte Nötigung).

Urteil: 2500 Euro Geldstrafe. "Bei der nächsten Kleinigkeit - sei es eine Schwarzfahrt - gibt es für sie die Haftstrafe", so der Richter.

Der Prozess fand am Amtsgericht Chemnitz statt.
Der Prozess fand am Amtsgericht Chemnitz statt.  © privat

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