Diese Orte gehören zu Chemnitz, liegen aber nicht in der Stadt

Chemnitz - Über das Stadtgebiet hinaus: Chemnitz besitzt jenseits seiner Stadtgrenzen so genannte Exklaven. Gründe sind frühere Bedarfsplanungen und DDR-Altlasten. Das Leben in einer Exklave ist indes schwierig.

Für Chemnitz überlebenswichtig: die Talsperre Neunzehnhain I im Erzgebirge.
Für Chemnitz überlebenswichtig: die Talsperre Neunzehnhain I im Erzgebirge.  © Uwe Meinhold

Exklaven sind Orte, die von ihrem Stammgebiet durch eine fremde Grenze getrennt sind. Sie entstanden durch neue Grenzziehungen (wie die Ländergründungen nach dem 1. Weltkrieg), extra gekauftes oder übernommenes Eigentum (wie DDR-Restbestände) und Eingemeindungen.

"Die Stadt Chemnitz besitzt außerhalb des Stadtgebietes 50 Objekte. Es handelt sich um forst- und landwirtschaftlich genutzte Liegenschaften. Diese wurden im Zusammenhang mit der Errichtung von Talsperren zur Sicherung der Wasserschutzgebiete erworben", so eine Stadtsprecherin.

Dazu gehören die Talsperren Neuzehnhain I und II. Sie werden von der 1992 gegründeten Landestalsperrenverwaltung (LTV) betrieben. Beide wurden von 1905 bis 1914 von der Stadt gebaut, sind noch heute in Betrieb und liegen im Bereich Pockau-Lengefeld (Erzgebirgskreis).

Die Errichtung der Trinkwasser-Talsperren wurde notwendig, um dem massiven Chemnitzer Bevölkerungszuwachs in dieser Zeit - 1900 hatte die Stadt 206.913, 1919 bereits 303.775 Einwohner - nachzukommen.

B174 einzige Verbindung nach Chemnitz

Gehört zu Chemnitz, ist der Stadt aber - wenn es nicht ums Geld geht - fern: die Siedlung Ruhebank.
Gehört zu Chemnitz, ist der Stadt aber - wenn es nicht ums Geld geht - fern: die Siedlung Ruhebank.  © Uwe Meinhold

Auch die Siedlung Ruhebank kann als Chemnitzer Exklave geführt werden. Offiziell gehört sie zum 1997 eingemeindeten Kleinolbersdorf-Altenhain, ist aber damit sowie mit dem restlichen Stadtgebiet nur über die Bundesstraße 174 verbunden.

"An die Bushaltestelle an der B174 gelangt man nur über unbefestigte Fußwege und durch den Wald, die Haltestelle hat nicht mal Schutzglas", sagt Ortschaftsrat René René Kampfrath (45), dessen Kinder in Kleinolbersdorfer und Zschopauer Schulen gehen. Er möchte eine bessere Ruhebank-Infrastruktur.

"2008 strebten wir sogar eine Umgemeindung ins näher gelegene Gornau an, dessen damalige Bürgermeisterin war dafür offen", sagt Anwohnerin Bärbel Lindner (65). Doch daraus wurde nichts: Die Stadt Chemnitz wollte auf die Steuereinnahmen der Exklave nicht verzichten.

Wünscht sich eine bessere Infrastruktur: René Kampfrath (45), hier mit seinen Kindern Jolie (11) und Emiel (6) an der zugigen Bushaltestelle.
Wünscht sich eine bessere Infrastruktur: René Kampfrath (45), hier mit seinen Kindern Jolie (11) und Emiel (6) an der zugigen Bushaltestelle.  © Uwe Meinhold

Die Siedlung Ruhebank wurde 1930 als ländlicher Wohnort für Städter gegründet, hat derzeit 22 Eigenheime mit rund 60 Einwohnern sowie 14 Wochenendgrundstücke und ist von Naturschutzflächen umgeben.

Titelfoto: Uwe Meinhold, imago images/Christian Ohde