Drei Haselnüsse für Aschenbrödel: Ein Pferd wurde zu Salami verarbeitet!

Moritzburg - Erst wenn "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" (1973) über den Bildschirm flimmert, ist für viele Menschen Weihnachten perfekt. (HIER gibt es die Sendetermine zu Weihnachten)

Damit die Eule Rosalie zwinkert, musste Regisseur Vorlicek ihr mit Stroh in den Hintern pieksen.
Damit die Eule Rosalie zwinkert, musste Regisseur Vorlicek ihr mit Stroh in den Hintern pieksen.  © DEFA-Stiftung

Die in Moritzburg, im Böhmerwald und auf Wasserschloss Svihov (bei Pilsen) gedrehte deutsch-tschechische Co-Produktion feiert ihren 45. Geburtstag.

Zeit, einmal 45 Tatsachen, Geheimnisse und Kuriositäten rund um das Weihnachtsmärchen aufzudecken.

1. Im deutschen Fernsehen läuft der Filmklassiker seit Jahrzehnten gleich mehrfach zum Fest - in diesem Jahr mindestens zwölf Mal! Das Erste startet heute 12 Uhr, der MDR zeigt ihn am 2. Feiertag um 16.10 Uhr.

2. Er wurde in Tschechien zum besten Märchenfilm des 20. Jahrhunderts gewählt. Über 700 000 Mal wurde er in Deutschland auf DVD gekauft.

3. Ein echter Zungenbrecher: Der tschechische Originaltitel des Films lautet "Tri oríšky pro Popelku".

Gegen 1999 Bewerberinnen setzte sich Libuse Safrankova durch.
Gegen 1999 Bewerberinnen setzte sich Libuse Safrankova durch.  © DEFA-Stiftung

4. Eigentlich sollte Jana Preissova (69) die Rolle des Aschenbrödels spielen. Doch sie war schwanger.

5. Begehrte Aschenbrödel-Rolle: 2000 Mädchen stellten sich bei Regisseur Vaclav Vorlicek (88) vor. Dann erinnerte er sich an die junge Schauspielerin Libuse Safrankova (65), die er zuvor einmal in einer kleinen Rolle gesehen hatte.

6. Beim ersten Treffen mit Libuse Safrankova ließ der Regisseur die Schauspielerin über eine Stunde warten. Sie las indes das Drehbuch.

7. Eher zufällig kam Pavel Travnicek (68) zu seiner Prinzen-Rolle. Er hatte in einem Abschlussfilm eines Freundes mitgemacht, dessen Prüfer zufällig Vaclav Vorlicek gewesen war.

Die Ähnlichkeit mit Schauspieler Alain Delon soll den Ausschlag dafür gegeben haben, dass Pavel Travnicek die Prinzen-Rolle bekam.
Die Ähnlichkeit mit Schauspieler Alain Delon soll den Ausschlag dafür gegeben haben, dass Pavel Travnicek die Prinzen-Rolle bekam.  © DEFA-Stiftung

8. Dass Travnicek ein bisschen Ähnlichkeit mit Alain Delon hatte, soll dabei entscheidend gewesen sein.

9. Wegen seines starken mährischen Akzents musste Travnicek von Schauspieler Petr Svojka in der eigenen Sprache synchronisiert werden.

10. Als Rolf Hoppe (✝88) als König ausgesucht wurde, durfte er sich – wie im wahren Leben – seine Königin selbst aussuchen. Er wählte die Schauspielerin Karin Lesch (83).

11. Das stank zum Himmel: Schneelos war der Winter 1972/73 in der DDR: Der verwendete Kunst-Schnee war aus übel riechendem Fischmehl hergestellt.

12. Bei Außenszenen, die im Böhmerwald gedreht wurden, war wiederum so viel Schnee, dass das Pferd von Prinz Travnicek in eine schneeverwehte Grube bis zu den Ohren einsank - samt Prinz!

Schloss Moritzburg bei Dresden war einer der Drehorte.
Schloss Moritzburg bei Dresden war einer der Drehorte.  © Petra Hornig

13. Den Schneeball, den scheinbar Aschenbrödel auf den Prinzen warf, feuerte in Wirklichkeit Regisseur Vorlicek an dessen Kopf.

14. Das Wasserschloss Svihov in Böhmen war in einem derartig schlechten Zustand, dass zum Dreh die Ruine aufwändig geschmückt werden musste.

15. Ein Zufall machte den Klassiker zum Weihnachtsfilm: Die Filmstudios in Babelsberg waren nur im Winter frei. Damit alles auf einmal abgedreht werden konnte, wurde der Frühlingsstreifen umgeschrieben und die Aufnahmen bei Kälte draußen fortgesetzt - in viel zu dünnen Kleidern.

16. Geändert wurde nur ein Kleid: Dana Hlavacova (73), die die böse Schwester Dora spielte, war zu dieser Zeit im sechsten Monat schwanger.

Alexander Hesse von "Post Modern" mit einer Aschenbrödel-Sonderbriefmarke.
Alexander Hesse von "Post Modern" mit einer Aschenbrödel-Sonderbriefmarke.  © Norbert Neumann

17. Regisseur Vorliceks Film war so teuer, dass er darauf bestand, alles sofort beim ersten Mal abzudrehen. Das gelang nicht immer.

18. Mindestens 50 Mal wurde die Szene gedreht, in der der Prinz aus dem Schloss hinter Aschenbrödel herläuft.

19. Aus Spargründen sind dann auch ein paar Kuriositäten "gerettet" worden: Eine Elektroleitung, ein Telegrafenmast, der Handschuh eines Tierpflegers oder ein fliegendes Hufeisen von Pferd Nikolaus würzen den Film.

20. Damit die Eule Rosalie zwinkert, musste Regisseur Vorlicek ihr mit Stroh in den Hintern pieksen.

21. Auch Pferd Nikolaus kommunizierte im Stall stehend nicht freiwillig mit Aschenbrödel. Damit es sich zu seiner Herrin drehte und mit dem Kopf nickte, saß unter dem Bauch ein „Helfer“, der mit einer Möhre fuchtelte.

22. Geradezu futuristisch: Knecht Vinzek (Vladimir Mensik, +59) sägt Äste mit einer Bügelsäge, die der Menschheit erst in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts zur Verfügung stehen wird

23. Nikoläuse gab es drei. Zwei in Tschechien, einen in Deutschland. Pferde durften wegen in der CSSR herrschenden Maul- und Klauenseuche nicht über die Grenze gebracht werden.

24. Eines der tschechischen Pferde – sein Name war in Wirklichkeit Bonek - fand kein märchenhaftes Ende. Es wurde zu Salami verarbeitet.

25. Nicht im Drehbuch stand die Szene, in der Kleinröschen (Helena Ruzickova, +68) den Prinz beim Tanz auf den Arm nimmt. Es war die spontane Laune der Schauspielerin selbst.

26. Die Schuhe des Prinzen rutschten ihm beim Tanz dauernd von den Füßen.

27. Das Liebespaar tanzt mitnichten in den romantischen Räumen auf Schloss Moritzburg. Die Aufnahmen entstanden in den Filmstudios Babelsberg. Man sieht es auch an der Form der Fenster.

28. Man gönnt es ihnen, aber die böse Stiefmutter und die Stiefschwester fielen nicht selbst in den Teich. Sie wurden gedoubelt. Schade: Der Teich war tatsächlich gefroren.

29. Nur zwei Mal wird Libuse Safrankova von einer Stuntfrau hoch zu Ross ersetzt, einmal bei einem Sprung über einen Baumstamm. Ein zweites Mal bei der Flucht aus dem Schloss: Das Risiko war zu groß, dass sie sich etwas brechen könnte.

30. Der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident von Brandenburg Ulrich Junghanns (62) doubelt den Prinzen auf dem Pferd. Zu dieser Ehre kam er, weil er Pferdewirt im Hengstdepot Moritzburg lernte.

31. Libuse Safrankova galt als Pferdeflüsterin: Pavel Travniceks Filmpferd war extrem störrisch. Als Aschenbrödel es stehlen sollte, spitzte es brav die Ohren und wartete auf die Befehle.

32. Aschenbrödel und der Prinz haben sich nicht ein einziges Mal in dem Film geküsst.

33. Das folgte erst 1982: Da traf sich das Paar noch einmal in dem Märchenfilm „Der dritte Prinz“.

34. Es funkte zwar nie wirklich zwischen Libuse Safrankova und Pavel Travnicek. Sie verbindet aber bis heute Freundschaft.

35. Das stand nicht im Drehbuch: Wenig freute sich am Ende Knecht Vinzek mit dem jungen Glück. Schauspieler Vladimir Mensik war beim Dreh ständig betrunken. Angeblich schlief er schlecht.

36. Die Filmmusik war ein Blitzeinfall: Komponist Karel Svoboda (+68) kam die Melodie spontan in den Kopf. Noch nachts rief er Vorlicek an und klimperte ihm am Telefon das Lied vor.

37. Gottlos ist nur die deutsche Fassung: In der tschechischen Filmversion singt Karel Gott (79). Auf den müssen die deutschen Fans im Film verzichten.

38. „Küss mich, halt mich, lieb mich“: 2009 veröffentlichte die deutsche Schlagersängerin Ella Endlich das Lied, das auf der Melodie der Originalmusik beruht.

39. Während der Moritzburger Ausstellung klauten im Februar 2014 Diebe ein Duplikat von Aschenbrödels Ballkleid. Drei Monate später zeigten sie Reue und schickten es anonym mit der Post zurück.

40. Libuse Safrankova feierte im wahren Leben ihre Traumhochzeit mit dem Schauspieler Josef Abraham (79) nur knapp vier Jahre nach der Premiere des Films.

41. Prinz Travnicek brauchte länger, um seine „Prinzessin“ zu finden. Er ist jetzt zum vierten Mal verheiratet. Mit seiner Frau Monika (32) hat er seit zwei Jahren Prinzen-Nachwuchs.

42. Libuse Safrankova besiegte den Lungenkrebs. Sie lebt heute zurückgezogen, noch immer mit Josef Abraham.

43. Nicht nur ewiger Prinz: Pavel Travnicek ist jetzt auch König – in der Familien-Show „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ in Tschechien.

44. Regisseur Vorlicek lebt in Prag und arbeitet gerade an einem neuen Projekt. Wieder ein Geheimnis: Er verrät nicht, worum es geht.

45. Ein Remake-Angebot seines Märchenklassikers von 2012 von deutscher Seite lehnte Vorlicek ab.


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