Alarm! Sachsens Flüsse trocknen aus

Dresden - Elende Dürre, jetzt vertrocknen schon die Flüsse. Die langanhaltende Hitze im Juni und fehlende Niederschläge in den letzten Monaten machen Sachsens Flüsse zu Rinnsalen.

Auch unterhalb des Schlosses Hartenfels in Torgau ist die Elbe deutlich "ausgedünnt". Sogenannte "Hungersteine" tauchen wieder auf.
Auch unterhalb des Schlosses Hartenfels in Torgau ist die Elbe deutlich "ausgedünnt". Sogenannte "Hungersteine" tauchen wieder auf.  © Dirk Heinze

Manche sind an einigen Stellen gar ausgetrocknet. Auch viele Bäche führen keinerlei Wasser mehr. Gelegentliche Regenfälle waren nicht mehr als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Besserung ist nicht in Sicht, ab Montag geht die Hitze weiter.

Bei Torgau sind derzeit "Hungerfelsen" zu bewundern - Steine, die gewöhnlich tief im Bett der Elbe liegen. Weil sie wegen Wassermangels eine miese Ernte ankündigten, galten sie als äußerst seltene Unglücksboten. Erst 2015 waren sie nach langer Zeit wieder aufgetaucht - und jetzt zum dritten Mal binnen kürzester Zeit.

Kreuzfahrt-Passagiere kommen mit dem Bus, die Lastkähne haben den Betrieb längst eingestellt. Seit Wiedereröffnung des Torgauer Hafens (18,6 Mio. Euro Sanierungskosten) vor 14 Monaten haben erst vier Containerschiffe angelegt. Ungeachtet der Dauer-Ebbe treibt die Koalition den Neubau des Riesaer Hafens voran.

Im Vergleich zu anderen sächsischen Flüssen geht's der Elbe noch relativ gut. Die Schwarze Elster liegt seit drei Wochen abschnittsweise trocken. Was es im Oberlauf noch an Wasser gibt, verdunstet auf dem Weg zum Senftenberger See. Landesweit trocknen erst recht die kleinen Zuflüsse und Bäche aus - wie der Kaitzbach in Dresden oder der Graupaer Bach in Pillnitz.

Niedrigwasser ist flächendeckend

Man könnte meinen, der Name "Schwarze Elster" rühre von den dunklen Steinen her. Doch die sind normalerweise vom Wasser bedeckt.
Man könnte meinen, der Name "Schwarze Elster" rühre von den dunklen Steinen her. Doch die sind normalerweise vom Wasser bedeckt.  © Holm Helis

Alarmmeldungen kommen aus ganz Sachsen. An vielen Stellen kann man die Zschopau inzwischen trockenen Fußes überqueren. Im Leipziger Fluss Parthe fließt nur ein Liter pro Sekunde. In Görlitz lästert man, ob man auf der Neiße mal den Rasen mähen müsste - alles ist zugewuchert.

Das Niedrigwasser ist flächendeckend. Hydrologen des sächsischen Umweltamtes (LfULG) haben für jede der 216 Messstellen aus der jeweils niedrigsten Durchflussmenge eines Jahres einen Mittelwert berechnet. Am Donnerstag war diese Marke an 44 Prozent der Meldestellen unterschritten, weitere 33 Prozent lagen nahe an diesem Wert.

LfULG-Sprecherin Karin Bernhardt: "Solange die Defizite im Bodenwasserhaushalt nicht ausgeglichen werden, die in ganz Sachsen 2018 aufgebaut wurden und dieses Jahr in einigen Regionen gar noch verstärkt worden sind, werden Niederschläge wie am vergangenen Wochenende nur für eine sehr kurzfristige Entspannung in den Flüssen sorgen."

Sachsens Talsperren noch gut gefüllt

In der Neiße bei Görlitz haben die Pflanzen gerade Oberwasser - verrückt!
In der Neiße bei Görlitz haben die Pflanzen gerade Oberwasser - verrückt!  © Holm Helis

Solange ein Gewässer nicht komplett austrocknet, finden Fische noch eine Nische. Wer wie Äsche oder Forelle kühles und sauerstoffreiches Wasser bevorzugt, hat es schon schwerer. In einigen Fließgewässern blühen massig Blaualgen.

Noch sind Sachsens Talsperren gut gefüllt, um die Rohwasser-Versorgung zu gewährleisten. Um den Abfluss in Flüssen zu unterstützen, wurden bereits 15,7 Millionen Kubikmeter Wasser abgegeben. Das wird auch während der bevorstehenden Hitze in dieser Woche nötig sein.

Als letzter Landkreis in Sachsen hat am Freitag auch das Leipziger Land ein Pumpverbot aus oberirdischen Gewässern ausgesprochen. Wie überall im Freistaat sollen auch hier die Mitarbeiter der unteren Wasserbehörde kontrollieren - Bußgelder von mindestens 50 Euro sind angedroht. Das Schöpfen mit Handgefäßen soll bis auf Weiteres gestattet sein.

In den sächsischen Binnenhäfen - wie hier in Torgau - gibt es derzeit wenig zu tun. Für die meisten Frachtschiffe ist das Gewässer zu flach.
In den sächsischen Binnenhäfen - wie hier in Torgau - gibt es derzeit wenig zu tun. Für die meisten Frachtschiffe ist das Gewässer zu flach.  © dpa/Jan Woitas

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