Familie Ritter: Jugendamtsleiter macht Karin schwere Vorwürfe wegen "niedergemachter" Kinder

Köthen - Am Mittwoch war einmal mehr die seit Jahren deutschlandweit berühmt-berüchtigte Familie Ritter Thema in der RTL-Sendung "stern TV". Diesmal drehte sich alles um die Nachkommen, um die Enkelkinder von Familienoberhaupt Karin (65). Haben sie den Sprung aus dem Clan geschafft? Wohnen sie noch in Köthen?

Weil sie tagsüber nicht in die Obdachlosenunterkunft darf, verbringt Karin Ritter den Tag rauchend und pöbelnd auf der Straße.
Weil sie tagsüber nicht in die Obdachlosenunterkunft darf, verbringt Karin Ritter den Tag rauchend und pöbelnd auf der Straße.  © stern TV

1994 war "stern TV" zum ersten Mal in Köthen. Dass sich aus diesem Besuch eine mittlerweile 25-jährige Berichterstattung der arbeitslosen, verwahrlosten, teils alkohol- und drogenabhängigen Familienmitglieder entwickelt, war wohl keinem bewusst.

Spürbar gibt es aber trotz des großen Elends, trotz der beruflichen und privaten Aussichtslosigkeit, trotz Alkohol- und Drogensucht und trotz Gewalt keinen Ausweg, keine Verbesserung.

Besonders bei der dritten Generation habe es das Jugendamt noch in der Hand, die Kinder aus der Familie zu holen und für ein geregeltes Leben zu sorgen, glauben viele User in den sozialen Netzwerken zu wissen. Doch der zuständige Jugendamtsleiter Anhalt-Bitterfeld weiß: "Es gibt niemanden, der irgendwas nicht versucht hätte", so Peter Grimm.

Viele Hilfsangebote seien abgelehnt, andere nicht durchgezogen worden. So wurde Karins ältester Tochter und ihren acht Kindern (darunter auch Jasmin) vor vielen Jahren eine Wohnung vermittelt und eine Betreuung durch Sozialarbeiter organisiert. Das Projekt scheiterte nach zwei Jahren, alle Kinder kamen ins Heim.

Doch was ist aus ihnen geworden? Dem Beitrag zufolge sind vier der Kinder mittlerweile volljährig. Alle außer Jasmin seien aus Köthen weggezogen, einer sitze im Gefängnis, drei seien noch im Heim.

Karins Enkelin Jasmin: Auch ihr Freund Benny hat ein Drogenproblem

Karins Enkelin Jasmin (19) sagt: "Ich hätte nicht nach Köthen ziehen sollen. Dann wäre das alles gar nicht passiert."
Karins Enkelin Jasmin (19) sagt: "Ich hätte nicht nach Köthen ziehen sollen. Dann wäre das alles gar nicht passiert."  © stern TV

Zu ihrer Mutter hat Jasmin kein gutes Verhältnis. "Will ich nicht. Ich bin froh, wenn sie mal hallo sagt. Ich habe mir immer gewünscht, dass sie sagt, dass sie stolz auf mich ist. Es fehlt die mütterliche Liebe."

Bei der heute 19-Jährigen gab es berechtigte Hoffnung, dass sie den Sprung weg von den Ritters schafft. Sie weiß: "Ich hätte nicht nach Köthen ziehen sollen. Dann wäre das alles gar nicht passiert." "Das alles" ist ihre Drogenabhängigkeit, zuletzt stand sie wegen gefährlicher Körperverletzung und Raub erstmals vor Gericht.

Doch auch ihr Freund Benny scheint nicht der beste Umgang für Jasmin zu sein. Der Dresdner ist ebenfalls drogenabhängig, sitzt derzeit in U-Haft. In letzter Zeit hatte sich die 19-Jährige immer wieder am Unterarm mit Rasierklingen geritzt, sagt: "Das war die Methode, nicht Drogen zu fressen."

Jugendamtsleiter Peter Grimm ist sicher, dass Jasmin durchaus die Chance auf ein geregeltes Leben hätte, "wenn sie sich lösen würde von dieser Familie." Das große Problem in der gesamten Sippe sieht er darin, "dass immer andere schuld sind, die Jungs sind immer unschuldig, werden unschuldig verhaftet. Alle sind schuld, aber nicht die Familie selbst."

"Alle Generationen sehnen sich nach Zuwendung, doch die gibt es dort nicht"

Köthens Stadtrat will sich dafür einsetzen, dass Karin Ritter (65) bald wieder eine feste Wohnung hat.
Köthens Stadtrat will sich dafür einsetzen, dass Karin Ritter (65) bald wieder eine feste Wohnung hat.  © stern TV

Auch der Umgang untereinander, besonders von Karin zu ihren Söhnen, sei nicht hinnehmbar. "Ich würde es fast Entmenschlichung nennen", sagte Grimm. "Diese Kinder werden völlig niedergemacht, alle Generationen sehnen sich nach Zuwendung, doch die gibt es dort nicht."

Nach der 90-minütigen Doku von letzter Woche, kündigte sich der Köthener Stadtrat bei Karin Ritter an. Die Mitglieder besuchten die 65-Jährige in der Obdachlosenunterkunft in der Augustenstraße, die sie nur noch von 18 bis 8 Uhr betreten darf.

Nach der Besichtigung kam Stadtrat Steffen Reisbach (Freie Wähler) zu Wort: "Es ist immer noch erschütternd, wenn man sowas sieht. Aber wir müssen immer dran denken, dass das eine Übergangslösung ist, keine Mietlösung. Wir sind jetzt dran, für Frau Ritter eine Wohnung bereitzustellen", macht er Hoffnung.

Karin moniert, dass bereits 20 Uhr das heiße Wasser abgestellt werde. "Das muss ich prüfen", verspricht Reisbach.

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