Bundeswehr-Panne: Bereits getaufte Fregatte ist immer noch nicht fertig

Hamburg - Bereits vor zwei Jahren wurde die neue Fregatte "Rheinland-Pfalz" getauft, doch das Kriegsschiff liegt weiterhin in der Werft in Hamburg.

Die Fregatte wurde bereits im Mai 2017 auf den Namen "Rheinland-Pfalz" getauft.
Die Fregatte wurde bereits im Mai 2017 auf den Namen "Rheinland-Pfalz" getauft.  © dpa/Christophe Gateau

Hafenrundfahrt. Bootskapitän Kurt nimmt Kurs auf ein grauen Ungetüm, die neue Fregatte "Rheinland-Pfalz", eines der modernsten Waffensysteme der Bundeswehr.

"Das Schiff ist immer noch nicht fertig", sagt er. Schlagseite, Softwareprobleme, weitere technische Mängel, eine Verzögerung nach der anderen habe es gegeben.

Die Touristen der Hafenrundfahrt starren auf das Kriegsschiff in der Werft Blohm+Voss.

"Einmal ist die Fregatte zum Probeschießen rausgefahren", erzählt Kurt, der seinen Nachnamen nicht nennt.

"Fünf Stunden hat es gedauert, bis das Ziel erfasst worden ist. Die Piraten bei Afrika lachen sich da kaputt und fliehen einfach."

Bereits vor zwei Jahren hat die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer (SPD) in Hamburg die letzte von vier neuen Fregatten für die Deutsche Marine getauft.

2017 schon hätte die neue Fregatte "Rheinland-Pfalz" in Dienst gestellt werden sollen, teilt der Sprecher des Inspekteurs der Marine, Johannes Dumrese mit. Nun werde es wohl Ende 2020.

Alle vier neuen Fregatten haben Jahre Verspätung

An der "Rheinland-Pfalz" wurde im Mai 2018 im Dock der Werft Blohm+Voss noch viel gearbeitet.
An der "Rheinland-Pfalz" wurde im Mai 2018 im Dock der Werft Blohm+Voss noch viel gearbeitet.  © dpa/Markus Scholz

"Das ist nicht schön", sagt der Kapitän zur See. Die Einsatzreife folge nach Erprobungsfahrten nochmals rund zwei Jahre später.

Die erste der vier neuen Fregatten der Schiffsklasse F 125, die "Baden-Württemberg", hätte bereits etwa 2014 in Dienst gestellt werden sollen - nun passiere dies etwa fünf Jahre später, am 17. Juni 2019 in Wilhelmshaven mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Dumrese spricht von einer Salamitaktik der Verzögerungen: Immer wieder sei ein technischer Mangel hinzugekommen.

"Es ist aber auch neue Hochtechnologie. Das ist eine Neuentwicklung, die Sie nicht im Baumarkt kaufen können."

Die neuen vier Fregatten gehörten zu den modernsten Kriegsschiffen weltweit - die Marine sei heilfroh, sie zu bekommen.

"Die Einsatznotwendigkeit ist eher höher geworden", sagt Dumrese mit Blick auf die Weltlage mit Konflikten, Terroristen, Piraten und Flüchtlingen.

Das brandneue Waffen erst nach fünfstündigem sogenannten Anschießen ihre Ziele träfen, das sei nicht ungewöhnlich.

Fregatte teurer als die Elphi?

Da lag sie noch im Dock 10 der Werft Blohm + Voss, nun soll sie bald in Dienst gestellt werden: die Fregatte "Baden Würtemberg".
Da lag sie noch im Dock 10 der Werft Blohm + Voss, nun soll sie bald in Dienst gestellt werden: die Fregatte "Baden Würtemberg".  © dpa/Markus Scholz

Dumrese weist auch die Kritik des Bundesrechnungshofs zurück, für die vier neuen Fregatten seien nicht ausreichend Besatzungen ausgebildet worden - sie könnten daher mindestens zehn Jahre nicht so genutzt werden wie geplant.

Falsch, sagt der Marinesprecher - es gebe zum Beispiel schon ein neues Ausbildungszentrum in Wilhelmshaven.

Die neuen Fregatten sollen für weltweite und lange Einsätze geeignet sein - und dabei zwei Jahre ohne Werftzeit auskommen. Sie sind 150 Meter lang und haben eine Verdrängung von 7100 Tonnen.

Die Kosten für das Schiffsquartett sind um mehr als eine Milliarde auf insgesamt gut drei Milliarden Euro gestiegen.

Hafenkapitän Kurt spricht sogar von fast einer Milliarde Euro alleine für die neue "Rheinland-Pfalz": "Die wird teurer als unsere Elbphilharmonie."

Taufpatin Malu Dreyer hat 2017 in Hamburg gesagt, sie hoffe, "dass es vor allem Friedensmissionen und humanitäre Einsätze sein werden, die unser Schiff herausfordern werden". Mit einer Flasche Sekt tauft sie damals die neue Fregatte "Rheinland-Pfalz".

Das gleichnamige, deutlich kleinere Vorgängerschiff ist 2013 nach fast 30 Jahren Einsatz auf den Weltmeeren außer Dienst gestellt worden - nach 770.701 Seemeilen, was 38 Weltumrundungen entspricht.

Titelfoto: dpa/Christophe Gateau

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