Ekelhafte Ausmaße: Deutscher Kinderporno-Ring gigantisch groß

Bergisch Gladbach/Köln - Die Dimensionen sind erschreckend und ein Ende noch nicht abzusehen: Im Zuge der Ermittlungen zu dem in Nordrhein-Westfalen entdeckten Kindesmissbrauch-Netzwerk sind mittlerweile 3300 Datenträger sichergestellt worden.

Ein Haus wird von der Polizei mit Unterstützung des THW durchsucht.
Ein Haus wird von der Polizei mit Unterstützung des THW durchsucht.  © Dagmar Meyer-Roeger/dmp press/dpa

Das erklärte ein Sprecher der Polizei Köln am Samstag. Die Ermittler seien selbst von diesem Ausmaß überrascht worden.

Zuvor hatte die "Rheinischen Post" darüber berichtet.

"Wir haben mit einer Vielzahl an Daten gerechnet, aber diese Masse, die wir vorgefunden haben und immer noch vorfinden, hat uns überrascht", sagte der Kölner Kripochef Klaus-Stephan Becker der Zeitung.

In dem Fall, der in Bergisch Gladbach seinen Ausgangspunkt hatte, sollen etliche Männer ihre Kinder missbraucht und Bilder davon in riesigen Chat-Gruppen geteilt haben.

Hunderte Polizisten arbeiten sich durch das Datenmaterial, unter dem sich massenhaft belastendes, kinderpornografisches Material befindet.

Das ganze Verfahren hat gewaltige Dimensionen angenommen, die über Nordrhein-Westfalen hinaus reichen. "Trotz meiner 45 Dienstjahre kenne ich nichts Vergleichbares in Deutschland", sagte der Kölner Polizeipräsidenten Uwe Jacob der "Rheinischen Post".

Allein in Nordrhein-Westfalen sitzen sieben Verdächtige in Untersuchungshaft, außerdem gab es je eine Festnahme in Hessen und Rheinland-Pfalz.

Kölns Polizeipräsident: "Kenne nichts Vergleichbares in Deutschland"

Das Ortsschild von Bergisch Gladbach.
Das Ortsschild von Bergisch Gladbach.  © DPA

Experten des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes (LKA) gehen davon aus, dass der Missbrauchsfall Bergisch Gladbach größer ist als der Fall Lügde. "Wenn so viele Chatteilnehmer und Gruppen da sind, kann man davon ausgehen, dass das sichergestellte Datenmaterial größer ist als im Fall Lügde. Das sind immense Datenmengen", sagte LKA-Direktor Frank Hoever.

Hoever und der Leiter des Cybercrime-Kompetenzzentrums beim LKA, Sven Schneider, machen sich dafür stark, künftig computergeneriert Fakebilder von Kindern verwenden zu dürfen, um in die Chats der Täter aufgenommen zu werden.

Im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach war der massenhafte Missbrauch von Kindern durch Mitglieder eines Chat-Netzwerkes aufgedeckt worden.

Mit der Festnahme eines Verdächtigen im Oktober hatten die Ermittlungen den Anfang genommen. Die Ermittler fanden in seinem Handy Chat-Gruppen mit bis zu 1800 Mitgliedern. Es sei "unbegreiflich", dass es eine solch große Gruppe gegeben haben soll, sagte LKA-Mann Schneider

"Man kann noch gar nicht abschätzen, wie groß der Fall noch werden wird." Schneider erklärte zu den Tätern, diese seien "Jäger und Sammler." Die Ermittler fänden "selten nur zehn Bilder bei einem, sondern meistens 10.000."

Titelfoto: Dagmar Meyer-Roeger/dmp press/dpa

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