Keiner will hier die Essen kehren: Dieser Ort sucht Schornsteinfeger in ganz Europa

Lauenstein - Schornsteinfeger dringend gesucht - und zwar europaweit! Wie kam es dazu? Weil sich einfach niemand findet, der den mittlerweile verwaisten Kehrbezirk Lauenstein (Altenberg, gut 500 Einwohner) übernehmen will, sucht man jetzt in ganz Europa. Der bisherige Schornsteinfeger ist in den Ruhestand gegangen.

Mit Feger und Zylinder: So kennen die Lauensteiner Gottfried Hardelt. Doch ein Nachfolger für ihn ist noch immer nicht in Sicht.
Mit Feger und Zylinder: So kennen die Lauensteiner Gottfried Hardelt. Doch ein Nachfolger für ihn ist noch immer nicht in Sicht.  © Eric Münch

40 Jahre lang war Gottfried Hardelt (67) für die Schornsteine in Lauenstein zuständig. "Es ist ein toller Beruf", sagt er.

"Man kommt mit Menschen Kontakt, ist viel draußen unterwegs. Man ist sein eigener Boss in Sachen Zeiteinteilung. Was will man mehr?"

Tja, was eigentlich? Warum sich für seine Stelle einfach kein Nachfolger finden lässt, glaubt Hardelt zu wissen.

"Klar, es fehlt einerseits an Nachwuchs, der Beruf wird nicht attraktiv genug verkauft", so der Neu-Rentner. "Aber die, die ihren Meister gemacht haben, wollen nicht aufs Land. Da fehlt die Bereitschaft, hierher zu kommen."

Mehrfach hatte die Landesdirektion den Kehrbezirk ausgeschrieben. Aber kein Schornsteinfeger zeigte Interesse. Nun hat man die Stelle bundes- und sogar europaweit ausgeschrieben.

Bis jemand gefunden wird, muss der Bezirk unter den Schornsteinfegern der Nachbarbezirke aufgeteilt werden. "Ich hoffe, dass sich doch bald jemand meldet", sagt Hardelt. "Ich habe meinen Beruf geliebt."

Irgendwann muss Schluss sein: 40 Jahre lang stieg Gottfried Hardelt (67) den Lauensteinern aufs Dach. Jetzt geht er in Rente.
Irgendwann muss Schluss sein: 40 Jahre lang stieg Gottfried Hardelt (67) den Lauensteinern aufs Dach. Jetzt geht er in Rente.  © Eric Münch

Kein Schornsteinfeger zeigte bisher Interesse

Gottfried Hardelts nun ehemaliger Kehrbezirk umfasst übrigens neben Lauenstein auch Teile von Altenberg und Glashütte. Wer sich bewirbt und genommen wird, hat den Bezirk dann für sieben Jahre unter seinen Fittichen. Danach wird die Stelle wieder neu ausgeschrieben. Eine erneute Ernennung zum Bezirksschornsteinfeger ist aber natürlich möglich.

Schornsteinfeger Hardelt hätte übrigens auch gern noch für zwei oder drei Jahre weitergemacht. „Aber mit 67 musste ich leider aufhören“, sagt er.

„Ein bisschen werde ich das Ganze sicher vermissen. Über all die Jahre wächst man in seine Aufgabe ja rein und lernt mit den verschiedenen Menschen und Situationen umzugehen.“ Die europaweite Ausschreibung der Landesdirektion läuft noch bis zum 9. April. Na, hoffentlich findet sich bald ein neuer und mindestens genauso fleißiger Glücksbringer für den Kehrbezirk Lauenstein.

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