Zensur beim MDR: Katrin Huß traut sich zu reden!

Von Björn Strauss

Dresden/Leipzig - Katrin Huß war die Beliebteste - zumindest am MDR-Nachmittag bei "Hier ab vier". Jahrelang moderierte die sympathische 49-Jährige das Programm, das zwischen Kaffeeklatsch, Gartentipps und Politik angesiedelt ist. Im Sommer 2016 dann die Nachricht vom plötzlichen Ende ihrer MDR-Karriere. Nun traut sie sich was: Sie spricht offen über die wahren Gründe.

Moderatorin Katrin Huß hier in guten Zeiten bei "Hier ab Vier".
Moderatorin Katrin Huß hier in guten Zeiten bei "Hier ab Vier".  © DPA

Damals hieß es von der MDR-Pressestelle lapidar, die beliebte MDR-Moderatorin habe sich "aus persönlichen Gründen dazu entschlossen, nicht mehr für die Sendung 'MDR um 4' vor der Kamera zu stehen" (TAG24 berichtete).

Diese Nachricht kam sehr überraschend - besonders für treue Fans, denn die studierte Journalistin Katrin Huß war 18 Jahre lang prägender Teil des MDR-Teams. "Der Mitteldeutsche Rundfunk bedauert und respektiert diese Entscheidung", hieß es weiter. Katrin Huß wolle auf eigenen Wunsch "eine Pause einlegen".

Sie brauchte allerdings einige Zeit, um die neue Situation zu verarbeiten. Sie eröffnet ihr Yoga-Studio. Sie reiste viel. Unter anderem nach Indien zu den Palmblatt-Bibliotheken. Indien hat es ihr angetan. Indien tat ihr richtig gut, sagt sie. Yoga hilft ihr in dieser Zeit sehr - auch bei ihren Schmerzen im Rücken. Sie fühlte sich beim MDR eingeengt... Dann kam die Idee mit dem Buch über ihr Leben. Sie setzte sich in ihren Garten und sortierte alle Notizen, brachte so alles in die Ordnung, die für einen Lebensbericht notwendig sind.

Denn die "MDR-Sache" war ganz so "friedlich" offenbar nicht.

Heute, über zwei Jahre später, kommt ein wichtiges Detail ans Licht: Katrin Huß fühlte sich von den MDR-Chefs vom Dienst und von einigen Mitarbeitern des damaligen Teams in ihrer journalistischen Arbeit nicht ernst genommen und schlimmer noch - auch in politischer Weise - gegängelt, was ihr mehr und mehr missfiel und offenbar auch zum gesundheitlichen Unwohlsein führte.

Im September dieses Jahres nun schloss sie ihr >> Yoga-Studio in Markkleeberg einfach mal zu, machte sie sich auf den Jakobsweg, und als sie zurück war, war es fertig: "Die traut sich was!" - so der Titel ihres Buches, in dem sie auch die Zeit beim MDR reflektiert. "Geschichten aus dem Leben einer Fernsehjournalistin" erschienen bei >> Books on Demand. In ihrem Buch rechnet sie mit dem schönen MDR-Schein, angeblicher Neutralität sowie Mobbing ab.

War Katrin Huss politisch nicht korrekt genug?

Bei "Hier ab vier" führte Karin Huß (49) Interviews und tolle Gespräche mit über 2000 Gasten!
Bei "Hier ab vier" führte Karin Huß (49) Interviews und tolle Gespräche mit über 2000 Gasten!  © dpa/imago

Auf Ihrer Facebook-Seite äußerte sie sich damals noch relativ moderat: "Irgendwann kam der Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass ich vergessen hatte, meine eigene Lebensgeschichte zu schreiben." Und: "Auch ein Hamsterrad sieht von innen aus wie eine Karriereleiter und oft merkt man zu spät, dass man auf der Stelle tritt." Die Lebensgeschichte kennt nun, wer ihr Buch liest.

Heute findet sie nämlich andere Worte, warum es zum Beenden der Zusammenarbeit mit dem MDR kam, erzählt sie unter anderem auch im Interview bei >> Schlager-Radio B2.

"Du bist verantwortlich für das, was deine Gäste sagen und hast politisch einzugreifen im Sinne des MDR" - das waren die Worte, die Katrin Huß nach dem "legendären", einschneidenden Interview mit Psychiater Dr. Hans-Joachim Maaz im Jahr 2016 zu hören bekam.

Laut ihren Aussagen sollte sie den Psychiater stoppen bzw. in eine andere inhaltliche Richtung lenken. Das allerdings hätte ihrem journalistischen Credo entgegengestanden. Dazu habe ihr in dem Gespräch auch der Gegenpart gefehlt.

Dr. Hans-Joachim Maaz hatte damals in der MDR-Sendung aus sachlich-psychologischer Sicht auch über die Schattenseiten der Migrationspolitik gesprochen. Auch PEGIDA und "besorgte" Bürger oder Angst und Hass waren Themen der Unterhaltung, die, wie Katrin Huß heute sagt, unzählige gute Kritiken und fast nur positives Feedback in den sozialen Netzwerken brachte.

Da sie sich mit einer "lenkenden Art von Journalismus" nicht mehr identifizieren konnte, kam es nicht zu einer weiteren Vertragsverlängerung mit dem MDR. Sie erzählte auch, dass sie über all die vielen Jahre beim MDR lediglich immer nur halbjährliche Honorarverträge bekam, die meist nur einseitige Forderungen enthielten...

Update 14.30 Uhr - der MDR reagiert auf Facebook

Unser Beitrag zu Katrin Huss wird auf >> Facebook rege diskutiert. Der Sender hat sich zu Wort gemeldet und sieht die Meinungsvielfalt im MDR gewahrt, sie sei "wichtig und sie ist ausdrücklich erwünscht. Dafür ist u.a. das Interview mit Herrn Maaz ein klarer Beleg".

Und weiter: "Und wenn die Auftritte von Frau Huß einen demokratischen Diskurs und einen konstruktiven Meinungsaustausch über den Journalismus und die gesellschaftliche Stimmung in Deutschland anregen, dann können wir diese nur befürworten."

Auf Facebook können sich Fans mit Katrin Huß austauschen

Psychoanalytiker Dr. Hans-Joachim Maaz liest nun auch ihr Buch... "und damit über sich selbst im vorletzten Kapitel..." Katrin Huß ist auf seine Analyse gespannt, schreibt sie auf >> Facebook.

Dieses Gespräch im Jahr 2016 war der Auslöser aus Katrin Huß' heutiger Sicht.

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