Vor 40 Jahren ging's ins All: Sigmund Jähn, der größte Held der DDR

Morgenröthe-Rautenkranz - Der Vogtländer Sigmund Jähn (heute 81) aus Morgenröthe-Rautenkranz war der erste Deutsche im All. Heute vor 40 Jahren, am 26. August 1978, startete er in der sowjetischen Sojus 31 zusammen mit Waleri Fjodorowitsch Bykowski zur sowjetischen Raumstation Saljut 6.

Sigmund Jähn war der erste Deutsche im All. 41 Jahre war er alt, als er mit seinem sowjetischen Kollegen Valerij Bykowski am 26. August ins All flog.
Sigmund Jähn war der erste Deutsche im All. 41 Jahre war er alt, als er mit seinem sowjetischen Kollegen Valerij Bykowski am 26. August ins All flog.  © DPA

Sein Flug dauerte 7 Tage, 20 Stunden, 49 Minuten und 4 Sekunden. 125 Mal umkreiste er den blauen Planeten. Nach seiner Rückkehr auf die Erde war für den früheren NVA-Jagdflieger nichts mehr wie zuvor. Und auch die Welt hatte sich verändert.

Kaum war der lange Feuerschweif der Sojus-Rakete am Himmel erloschen, da brachte das "Neue Deutschland" eine vorbereitete Sonderausgabe heraus.

Das Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands titelte: "Der erste Deutsche im All, ein Bürger der DDR". Die klare Botschaft ans Volk: Schaut her, wir haben dem anderen Deutschland jenseits der Mauer den Rang abgelaufen.

Die unsanfte Landung am 3. September 1978 in der kasachischen Steppe, bei der sich der Vogtländer so sehr an der Wirbelsäule verletzte, dass ihn bis heute ein Rückenleiden plagt, fand später in der staatlichen Presse keine Erwähnung.

Dass Jähn in seiner irdischen "Abwesenheit" ein Enkel geboren worden war, wurde auch verschwiegen. Die Intention dahinter war klar: Dieser Sieg des Sozialismus sollte perfekt strahlen. Ein "Opa" passte da nicht ins Bild.

Als Jähn seinen Fuß auf die Erde setzte, war er ein Held

Der Staatsratsvorsitzende Erich Honecker heftete Sigmund Jähn den Karl-Marx-Orden an. Zudem erhielt er den Titel "Held der Deutschen Demokratischen Republik".
Der Staatsratsvorsitzende Erich Honecker heftete Sigmund Jähn den Karl-Marx-Orden an. Zudem erhielt er den Titel "Held der Deutschen Demokratischen Republik".  © DPA

In dem Moment, als Sigmund Jähn seinen Fuß wieder auf die Erde setzte, war er ein Held. Der größte, den die kleine DDR wohl jemals gehabt hatte.

Die DDR-Führung unter Erich Honecker schlachtete seinen Weltraumflug gewaltig aus. Sondersendungen im Fernsehen erklärten die Mission und betonten dabei stets die Leistungsfähigkeit der russischen Raumfahrt-Technik und die innige Freundschaft zwischen UdSSR und DDR.

Der frühere NVA-Jagdflieger wurde in der gesamten Republik herumgereicht wie eine Trophäe. Man überhäufte ihn mit Orden und Ehrenbürgerschaften, schickte ihn auf Rundreisen und Empfänge.

Sein Gesicht prangte auf Plakaten, Briefmarken und Gedenkmünzen. Schulen, Kindergärten und andere öffentliche Einrichtungen wurden nach ihm benannt.

Sigmund Jähn eroberte die Herzen der Menschen im Sturm

Heldenverehrung: Der Maler Paul Michaelis aus Dresden schuf 1980 ein Ölgemälde des Raumfahrers.
Heldenverehrung: Der Maler Paul Michaelis aus Dresden schuf 1980 ein Ölgemälde des Raumfahrers.  © Imago

Die Herzen der einfachen Menschen eroberte der Raumfahrer im Sturm. Stets trat der gelernte Buchdrucker bescheiden und freundlich auf. Redakteur Thomas Nahrendorf erinnert sich noch lebhaft an den Spätsommer 1978: "Ich war als Fünfjähriger dabei. Meine Oma wohnte in Beerheide, einem Ortsteil von Auerbach." Sie sagte damals: "Kumm, Gung. Mir zenne uns ah un genne emol zengstdingenei zen Sigmund.“ Auf Deutsch: Komme, Junge. Wir ziehen uns an und gehen mal zum Sigmund.

Nahrendorf: "Da stand ich nun in Morgenröthe, in der linken Hand eine Arbeiterfahne, rechts die DDR-Fahne, und jubelte dem Weltraumhelden zu."

Zur Raumfahrt haben die Vogtländer bis heute eine ganz besonders herzliche Beziehung. Thomas Nahrendorf: "Die Vogtländer sind stolz auf unsere beiden Raumfahrer. Sigmund Jähn und Ulf Merbold. Der eine aus Morgenröthe, der andere aus dem 45 km entfernten Greiz. Da Merbold aber als BRD-Bürger ins All flog, durften wir ihm nicht zujubeln. Sigmund schon."

Sigmund Jähn ist der Rummel um seine Person nie zu Kopf gestiegen. Er ist bodenständig geblieben, lebt heute in Strausberg bei Berlin. Obwohl ihn die DDR für ihre Propaganda missbrauchte, steht er bis heute zu der untergegangenen Republik, der er seinen kometenhaften Aufstieg zu verdanken hat. Er blickt in aktuellen Interviews ohne Groll zurück.

Tausende Ostberliner jubelten am 21. September 1978 auf der Karl-Marx-Allee Sigmund Jähn und Waleri Bykowski bei einer Parade zu. Im offenen Wagen hatte sich Erich Honecker zwischen die Kosmonauten gedrängt.
Tausende Ostberliner jubelten am 21. September 1978 auf der Karl-Marx-Allee Sigmund Jähn und Waleri Bykowski bei einer Parade zu. Im offenen Wagen hatte sich Erich Honecker zwischen die Kosmonauten gedrängt.  © DPA
Vom russischen Weltraumflughafen Baikonur aus startete auf den Tag genau vor 40 Jahren Sigmund Jähn seine Weltraum-Mission.
Vom russischen Weltraumflughafen Baikonur aus startete auf den Tag genau vor 40 Jahren Sigmund Jähn seine Weltraum-Mission.  © Imago

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