Ein Erdbeben verwandelte diesen Ort in eine Geisterstadt

Poggioreale - Trauriges Schicksal: 50 Jahre ist es her, dass ein verheerendes Erdbeben das sizilianische Dorf Poggioreale in eine Ruinen-Landschaft verwandelte. Nun wirbt der Bürgermeister mit einem verrückten Plan.

Hier ist die Zeit stehen geblieben: Poggioreale wurde vor über 50 Jahren von einem Erdbeben zerstört.
Hier ist die Zeit stehen geblieben: Poggioreale wurde vor über 50 Jahren von einem Erdbeben zerstört.  © Guglielmo Francavilla/123RF

Die Menschen flohen damals aus den Häusern, mehr als 200 verloren bei der Naturkatastrophe ihr Leben. Das Erdbeben war eines der heftigsten in der italienischen Geschichte.

In der Nacht zum 15. Januar 1968 bebte das Valle del Belice, ein Tal im Südwesten Siziliens.

Anstatt Poggioreale wieder aufzubauen, wagte die damalige italienische Regierung ein Experiment. Sie heuerte bekannte Architekten an, um ein "Poggioreale Nuova" an einer anderen Stelle auf Sizilien aus dem Boden zu stampfen.

Dort fühlten sich die Bürger, die ihren Heimatort verloren hatten, jedoch nicht wirklich wohl. "Das neue Poggioreale gehörte einfach nicht zu mir", berichtete ein ehemaliger Bürger namens Calogero Petralia dem "Guardian".

Die Ruinen des alten Dorfs stehen derweil bis heute. Der Bürgermeister der neuen Stadt, Girolamo Cangelosi, will die unglückliche Geschichte des einstmals idyllischen Ortes jedoch nicht hinnehmen. Wie "CNN" berichtet, hat er sich einen skurrilen Plan in den Kopf gesetzt.

Zwischen den wolkenverhangenen Olivenhainen und Schafweiden soll das ehemalige Poggioreale wieder neu auferstehen. Geplant sind neben einer restaurierten Infrastruktur ein Marktplatz, Cafes, Einkaufsmöglichkeiten, Bars und Unterkünfte.

Poggioreale auf Sizilien: Geisterstadt soll wieder in einen lebendigen Ort verwandelt werden

Die verlassenen Ruinen der einstmals wunderschönen Häuser erinnern an das, was hier einmal war.
Die verlassenen Ruinen der einstmals wunderschönen Häuser erinnern an das, was hier einmal war.  © Andreas Zerndl/123RF

Doch zwei entscheidende Dinge fehlen: Menschen und Geld. Die Nachfahren der ehemaligen Bürger sind heute über den Globus verstreut, sie leben in Ländern wie Australien und den USA.

"Ich reise um die Welt, um die Familien, die trotz ihrer langen Abwesenheit noch immer eine starke Bindung zu ihrer Heimat haben, miteinander zu vernetzen", so Girolamo Cangelosi. "Ich will die Stadt wieder aus ihrem Grab holen und sie zum Scheinen bringen."

Zusätzlich will der Bürgermeister gezielt Touristen und Auswanderer - etwa auch aus Deutschland - anwerben, um Poggioreale wiederzubeleben. Zudem hofft er auf großzügige und zahlungskräftige Spender.

Wie es mit der Geisterstadt und ihren einstmals prunkvollen Bauten weitergeht, ist unklar. Ohne die Schaffung einer gewissen Grundlage scheint es eher unwahrscheinlich, dass sich Menschen freiwillig in der Ruinenstadt niederlassen.

Die Geschichte Poggioreales reicht bis ins Jahr 1642 zurück. Damals schenkte der spanische König Ferdinand IV. einem Fürsten das Gebiet. Heute zieht es vor allem Abenteurer und Entdecker in den verlassenen Ort.

Sizilien leidet schon länger an einem Einwohnerschwund, da insbesondere junge Italiener ihre Perspektive eher weiter nördlich im Land suchen. Seit Jahren kämpft die größte Insel im Mittelmeer darum, Menschen vom Bleiben zu überzeugen, um mehr zu sein als nur ein Feriendomizil.

Bürgermeister Girolamo Cangelosi will die Geisterstadt wieder in ein lebendiges Idyll verwandeln.
Bürgermeister Girolamo Cangelosi will die Geisterstadt wieder in ein lebendiges Idyll verwandeln.  © lachris77/123RF
Ob sich tatsächlich zahlungskräftige Bewohner für Poggioreale finden werden?
Ob sich tatsächlich zahlungskräftige Bewohner für Poggioreale finden werden?  © lachris77/123RF

Titelfoto: Guglielmo Francavilla/123RF

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