"Anti-Wertschätzungsprogramm": NRW-Demenzverbände kritisieren Reformpaket für Pflege

Von Dorothea Hülsmeier

Düsseldorf - Die Alzheimer Gesellschaften NRW haben Teile der geplanten Pflegereform als "Anti-Wertschätzungsprogramm" kritisiert und fordern Nachbesserungen.

In NRW sind nach Schätzungen etwa 400.000 Menschen an Demenz erkrankt - und es werden immer mehr. (Symbolbild)  © Sven Hoppe/dpa

Die Reform belaste zu Hause lebende Menschen mit Demenz und auch die pflegenden Angehörigen, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Alzheimer Gesellschaften NRW, Peter Pick in Düsseldorf

Vor allem die geplante Kürzung der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige stößt auf Kritik. Bisher erhielten berufstätige Angehörige, die für die Pflege die Arbeitszeit kürzen oder ganz aus dem Beruf ausscheiden, als Ersatzleistung Rentenversicherungsbeiträge aus der Pflegeversicherung. Diese sollten nun um 30 Prozent gekürzt werden.

Das sei ein fatales Signal für Menschen, die auf Berufstätigkeit und Geld verzichteten, um Angehörige, Partner oder Eltern zu pflegen. Sie würden damit "bestraft, dass sie in der Zukunft weniger Rente haben", so Pick.

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Auch Einstufungskriterien für Pflegegrade sollen durch die Reform verschärft werden und der sogenannte Entlastungsbeitrag im Pflegegrad 1 entfallen. Gerade damit aber könnten Betreuungsbesuche von Alltagshelfern finanziert werden, damit Angehörige entlastet würden, sagte Pick. 

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Expertin mahnt: "Man kommt durch häusliche Pflege an seine Grenzen!"

Die überwiegende Zahl der Pflegebedürftigen in NRW wird zu Hause versorgt. (Symbolbild)  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Mit den Einschnitten bei der Pflegeversicherung wird die Selbsthilfe und Beratung immer wichtiger. Nach Ansicht von Aline Wybranietz, Projektleiterin Alzheimer Telefon NRW, muss die Lotsenschaft im Beratungsangebot für Pflege ausgebaut werden. Vor allem Menschen, die komplett mit der Situation überfordert seien, müssten vor Ort zielführend unterstützt werden. 

"Man kommt durch häusliche Pflege und gerade bei einer Demenz an seine Grenzen", sagte Wybranietz. Die Betroffenen dürften dann "nicht mit einem Stapel weiterer Flyer entlassen werden". Die Expertin wies auch darauf hin, dass gerade bei einer fortschreitenden Demenz die Pflege immer wieder nachgesteuert werden müsse. "Gerade bei Demenz haben wir immer wieder weitere Entwicklungen, die gestern funktioniert haben, aber in drei Monaten erneut angepasst und enger gestrickt werden müssen." 

In NRW gibt es rund 35 überwiegend ehrenamtlich getragene Alzheimer Gesellschaften, die an Demenz erkrankte Menschen und deren Angehörige vielfältig unterstützen.

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Nach aktuellen Schätzungen liegt die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen in NRW laut Pick bei rund 400.000. Vor zwei Jahren seien es noch 360.000 gewesen. In NRW gelten rund 1,4 Millionen Menschen als pflegebedürftig. Der weitaus größte Teil von ihnen wird zu Hause versorgt.

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