Attest am ersten Tag, telefonische Krankschreibung entfällt: Das bedeutet die Reform für Arbeitnehmer
Berlin - Laut Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) sind die Deutschen zu oft krankgemeldet. Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Bad Rappenau sprach er von "fast drei Wochen, in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten." Dagegen will seine Bundesregierung als Teil des verkündeten Reformpakets vorgehen. Das kommt auf Bürgerinnen und Bürger zu.
"Wir befinden uns mit den nach Corona exorbitant gewordenen Krankenständen in den Unternehmen nicht ab. Wir schaffen die telefonische Krankschreibung ab und führen die Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag ein. Das ist eine harte Entscheidung. Das wissen wir. Aber wir können uns diesen Wettbewerbsnachteil durch lange Abwesenheiten in den Unternehmen nicht länger leisten", so der Bundeskanzler in der Pressekonferenz vom heutigen Donnerstagmorgen.
Weiter erklärt Merz in seiner Rede, dass die Betriebe einzel - oder tarifvertraglich sowie in Betriebsvereinbarungen von der neuen Regelung abweichen können.
Konkret bedeutet das, dass die finale Entscheidung wann sich die Arbeitnehmer zurückmelden müssen, letztendlich immer noch bei dem Arbeitgeber liegt. Wenn er es weiter so handhaben möchte wie bisher, kann er es so machen. Allerdings wird es die gesetzliche Regelung in Zukunft so vorsehen, dass eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag vonnöten ist.
Wann genau diese Gesetzesänderung auch tatsächlich in Kraft treten wird, ist jedoch noch unklar.
Längere Wartezeiten im Arztzimmer garantiert
Doch vielen Arztpraxen wird bereits jetzt schon Angst und Bange, wenn sie an die Zeit nach der Gesetzesreform denken.
Denn ab dem Zeitpunkt, wo die telefonische Krankmeldung entfällt, müssen sich wieder alle kranken Menschen bei einem Arzt vorstellig machen. Dabei ist es egal, ob sie nur an einem harmlosen Schnupfen, oder an einem schweren grippalen Infekt leiden.
Sie alle nehmen in demselben Wartezimmer Platz, welches gerade in den Wintermonaten oftmals rappelvoll sein wird.
Gleichermaßen werden die Wartezeiten beim Arzt durch diese Flut an neuen Patienten erheblich in die Länge gestreckt. Das ist insbesondere für all jene Patienten fatal, die dringende medizinische Hilfe benötigen.
Christian Karagiannidis, der medizinische Leiter des Divi-Intensivregisters ist sich laut Focus sicher: "Das wird das System an seine Grenzen bringen."
Titelfoto: Fotomontage: Michael Kappeler/dpa, Sina Schuldt/dpa, Hannes P Albert/dpa

