Berlin - Bärbel Bas (58) tritt als Arbeitsministerin und SPD-Chefin zurück. Begründungen für ihren Schritt lieferte die Duisburgerin am Montagmorgen auf ihrem Instagram-Profil. Ihre Entscheidung hat weitreichende Folgen für die gesamte Partei!
"Heute endet für mich ein Kapitel, aber nicht die Geschichte", leitete Bas ihre sehr persönliche und emotionale Erklärung ein.
Zuvorderst teilte die 58-Jährige mit, dass sie nach dem Tod ihrer Stieftochter Zeit benötige, um den schweren Schicksalsschlag zu verarbeiten und zu trauern.
Weiterhin führte Bas öffentliche Angriffe gegen ihre Person - auch aus Reihen von Koalitionspartner CDU - an, die in der für sie privat schwierigen Zeit sogar noch zugenommen hätten.
Die nötige Kraft, ihrer Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich nachzukommen, habe sie derzeit nicht. Daraus sei ihr Entschluss gewachsen, beide Ämter niederzulegen.
Ihr Co-Vorsitzender Lars Klingbeil (48) hat auf die Meldung seiner Genossin bereits reagiert. Nach einer Sitzung des SPD-Präsidiums teilte Klingbeil am Montagmittag mit, dass die gesamte Parteiführung auf einem Bundesparteitag zum Jahreswechsel neu gewählt werden soll. Ob er selbst noch einmal antritt, ließ er offen. "Ich werde jetzt alles dafür tun, dass die SPD die beste Aufstellung an der Spitze hat", sagte der 48-Jährige. Am Prinzip einer Doppelspitze solle sich dagegen nichts ändern.
Bärbel Bas will ihren Wahlkreis Duisburg weiter im Bundestag vertreten
Die scheidende Ministerin dankte in ihrem Statement allen Mitarbeitern und schrieb, dass ihr Ministerium jetzt "eine starke Hausleitung verdient habe, die mit voller Kraft die anstehenden Gesetze und Reformvorhaben vorantreibt".
Für die Zukunft der SPD zeigte sich Bas selbstbewusst: Die Partei werde "die richtigen Schlüsse aus den zurückliegenden Wahlen ziehen und wieder eine politische Kraft werden, die unser Land in eine gute Zukunft führt".
So ganz abtreten wird die 58-Jährige allerdings nicht. Ihren Sitz im Bundestag wolle Bas behalten und dort weiter die Belange der Bürger ihres Wahlkreises Duisburg vertreten.
"Was bleibt, sind nicht die Ämter, die wir getragen haben, sondern Spuren, die wir in den Herzen der Menschen hinterlassen", beendete Bas ihre Erklärung.
Bundeskanzler Friedrich Merz zollt Bärbel Bas Respekt, Manuela Schwesig übt Kritik
In ihrem politischen Umfeld löste die Entscheidung zahlreiche Reaktionen aus. Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) zollte Bas Respekt und lobte bei X die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Als Vater und Großvater könne er nur erahnen, wie schwer der Verlust ihrer Stieftochter wiegt. "Ihr und ihrer Familie wünsche ich viel Kraft", schrieb der Kanzler. Mit Alexander Schweitzer (53, SPD) soll unterdessen bereits ein Bas-Nachfolger im Ministerium für Arbeit und Soziales gefunden worden sein.
Parteikollege und Co-Chef Klingbeil sagte derweil seine für Montag geplante Indienreise ab. Bas' Rücktritt mache ihn traurig. Trotzdem könne er ihre Entscheidung nachvollziehen.
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (52, SPD) schwang dagegen die Keule gegen die CDU und nannte die Attacken der Christdemokraten auf Bas - trotz ihrer persönlichen schweren Situation -"unmenschlich und rücksichtslos".
fortlaufend aktualisiert, Update 12.49 Uhr