Defizite bei Erstklässlern zu hoch: Grundschule schon ab "Klasse 0"

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Deutschland - Das vorschulische Bildungsniveau von Kindern in Deutschland nimmt weiter ab, auch fehlt es an Chancengerechtigkeit. Das will das Projekt "Klasse 0" ändern: Der Übergang in die 1. Klasse soll gestärkt werden. 100 Grundschulen machen seit März bundesweit mit, beworben hatten sich noch deutlich mehr.

100 Schulen machen bei "Klasse 0" mit. (Symbolfoto)
100 Schulen machen bei "Klasse 0" mit. (Symbolfoto)  © 123RF/bialasiewicz

Bis zu 8000 Euro Förderung bekommen die Schulen von der Organisation "#wirfürschule". Damit sollen besonders Kinder unterstützt werden, die Probleme mit Sprache und Kommunikation, ihrer sozial-emotionalen Entwicklung sowie motorischen Fähigkeiten und kreative Ausdrucksformen haben. In "Klasse 0" sollen sie auf erste Lernprozesse vorbereitet werden.

Der Bedarf ist groß: Bei einer ARD-Umfrage unter 7000 Grundschullehrern gaben vergangenes Jahr 87 Prozent an, dass Kinder in der 1. Klasse inzwischen deutlich mehr Defizite aufweisen würden als noch vor zehn Jahren - und das gilt nicht nur für Brennpunktschulen.

Insbesondere Verhaltensauffälligkeiten und Konzentrationsschwierigkeiten seien demnach schon in der Grundschule weit verbreitet.

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Für die erste "Klasse 0"-Runde hatten sich 250 Schulen beworben, das Geld reicht allerdings nur für 100 von ihnen. Die Nachfrage sei überwältigend, erklärt "#wirfürschule". Deshalb wird per GoFundMe nach weiteren Geldgebern gesucht: "Viele weitere Schulen erfüllen alle Kriterien und sind bereit zu starten – doch ohne zusätzliche Mittel müssen wir absagen. Das möchten wir ändern."

Haben Eltern heute zu wenig Zeit für ihre Kinder?

Flächendeckende Veränderungen im Bildungssystem brauchen viel Zeit. (Symbolfoto)
Flächendeckende Veränderungen im Bildungssystem brauchen viel Zeit. (Symbolfoto)  © dpa | Sven Hoppe

Die Brocker Schule in Bielefeld ist eine der 100 Schulen, die aktuell an "Klasse 0" teilnimmt. "Mein Eindruck ist schon, dass die Kinder mit immer weniger Vorläuferfähigkeiten zu uns kommen", sagte Schulleiter Pascal Pooch dazu der tagesschau.

Die Gründe dafür sind vielfältig. "Fakt ist, dass beide Elternteile heute viel mehr arbeiten und dass gleichzeitig viel mehr Ressourcen benötigt werden, um den Lebensstandard zu halten oder auch den Lebensunterhalt zu finanzieren", erklärt Matthias Forell vom Institut für Erziehungswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum.

"Und dementsprechend haben sie auch weniger Zeit mit ihren Kindern, die sie gemeinsam verbringen." Grade finanziell schwächere Familien leiden darunter.

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Flächendeckende Veränderungen im Bildungssystem bräuchten Zeit, erklären die Initiatoren von "Klasse 0" auf ihrer Website. Man wolle von außen dazu beitragen, strukturellen Reformen in die Wege zu leiten. "Bevor ein Ansatz bundesweit umgesetzt wird, braucht es belastbare Erfahrungen aus der Praxis. Pilotprojekte wie 'Klasse 0' helfen dabei, solche Daten zu generieren. Sie sind oft die Voraussetzung dafür, dass Länder oder Kommunen eine flächendeckende Einführung prüfen."

Titelfoto: 123RF/bialasiewicz

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