Bundesweites Novum: Diese deutsche Stadt führt Autoverzicht-Prämie ein!

Marburg an der Lahn - Auto abgeben, Umwelt schützen und Prämie kassieren! Die mittelhessische Stadt Marburg setzt sich nachhaltig für den Umweltschutz ein und geht dafür ganz neue Wege.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (r.) und Stadtrat Dr. Michael Kopatz (1.v.l.) haben gemeinsam mit Jan Röllmann (2.v.l./Stadtmarketing), Tim Pfleiderer (scouter) und Birgit Stey (Stadtwerke Consult) das Konzept für eine Prämie zum Umstieg auf eine Mobilität ohne Privatauto vorgestellt.
Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (r.) und Stadtrat Dr. Michael Kopatz (1.v.l.) haben gemeinsam mit Jan Röllmann (2.v.l./Stadtmarketing), Tim Pfleiderer (scouter) und Birgit Stey (Stadtwerke Consult) das Konzept für eine Prämie zum Umstieg auf eine Mobilität ohne Privatauto vorgestellt.  © Stadt Marburg

Die Stadtregierung besteht im beschaulichen Studentenstädtchen Marburg aus Grünen, SPD, Linken und der Klimaliste. Und wie es die Zusammensetzung vielleicht schon nahelegt, steht hier der Umweltgedanke mehr im Fokus als vielleicht in anderen Städten.

Nicht von ungefähr kamen daher also die neuesten Pläne einer Autoverzicht-Prämie der regierenden Partei. "Die entlastet Anwohner, Straßen und Verkehr, Stadtluft, -bäume und -klima sowie das private Portemonnaie, und es nützt auch noch der Wirtschaft", heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt hinsichtlich, des am Freitag, dem 14. Juni, eingeführten Anreizprogramms für den Umstieg auf umweltfreundliche Mobilität.

"Das Ziel der städtischen Mobilitätspolitik ist es, Menschen durch Angebote für eine zukunftsfähige Mobilität zu gewinnen", erklärt Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (62, SPD) und führt weiter aus: "Denn tatsächlich steht ein Privatauto in Deutschland im Schnitt 23 Stunden am Tag – zu Hause, bei der Arbeit, an der Schule oder anderswo, statt bewegt zu werden."

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So würden durch den Verzicht auf das eigene Auto wertvolle Innenstadtflächen nicht mehr unnötig blockiert und Ressourcen für zukünftig notwendige Klimaanpassungen frei werden. Zudem koste ein dauerhaft stehendes Fahrzeug Geld. Man würde also mögliche Unterhaltskosten einsparen, heißt es in der Pressemeldung.

Antragsteller können bis zu 1250 Euro erhalten: Noch im Juni soll es losgehen

Die Universitätsstadt Marburg soll mithilfe des Programms zukünftig noch umweltfreundlicher werden.
Die Universitätsstadt Marburg soll mithilfe des Programms zukünftig noch umweltfreundlicher werden.  © Nadine Weigel/dpa

"Das Marburger Modell ist bundesweit einmalig", erläutert Umweltdezernent Michael Kopatz (53, Klimaliste). Es fordere vor allem keinen Autoverzicht, sondern schließe das individuelle Autofahren ausdrücklich mit ein.

Wie die Prämie in Form von 1250 Euro Guthaben pro Jahr aufgebaut ist, steht ebenfalls schon fest:

  • Klimaboni: 50 Euro
  • Scouter- oder Bürger-Carsharing: bis zu 800 Euro
  • Marburg-Gutscheine: bis zu 400 Euro
  • Mobilitätsangebote der Stadtwerke Marburg: bis zu 600 Euro (entspricht einem Jahresabo Deutschland-Ticket)
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Menschen, die die Prämie beantragen, können außerdem in 100-Euro-Schritten zwischen den verschiedenen Angeboten wählen.

Einen Antrag können alle Marburger stellen, die mindestens noch ein Jahr in Marburg wohnen und in der Zeit ihr in Marburg zugelassenes Auto abmelden. Die Pilotphase für die ersten 50 abgemeldeten Pkw soll direkt nach dem Beschluss der Stadtverordneten starten. Ein genauer Termin wurde noch nicht mitgeteilt.

Titelfoto: Stadt Marburg

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