Junge Liberale erklären, warum Inzest legal sein sollte und ernten dafür einen Shitstorm

Deutschland - Eine Abschaffung des Inzest-Verbots fordern die Jungen Liberalen schon seit 2007. Nun haben sie in einem langen Twitter-Thread aufgeschlüsselt, weshalb Sex unter Geschwistern erlaubt sein sollte.

Besonders beliebt haben sich die Jungen Liberalen mit ihren Thesen zum Thema Inzest nicht gerade gemacht.
Besonders beliebt haben sich die Jungen Liberalen mit ihren Thesen zum Thema Inzest nicht gerade gemacht.  © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Paragraf 173 im deutschen Staatsgesetzbuch verbietet Geschlechtsverkehr innerhalb der Familie. Ganz konkret heißt es darin, dass "Beischlaf zwischen Verwandten" mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren sowie einer Geldstrafe geahndet werden kann.

Das gefällt den Jungen Liberalen offenbar nicht. Schon am 23. März 2007 forderte die der FDP nahestehenden Jugendorganisation auf ihrem 34. Bundeskongress, dass der Paragraf 173 abgeschafft werden solle.

Nun haben sie aber noch einmal ganz ausführlich erklärt, warum sie für freie Liebe zwischen Geschwistern einstehen. In einem zwölfteiligen Twitter-Thread stellten die Julis unter anderem die Frage: "Warum sollte Inzest mit einer Freiheits- oder Geldstrafe bestraft werden, wo es doch bei diesem 'Verbrechen' keine Opfer gibt?"

Sie argumentieren, dass es den Staat und die Gesellschaft nichts anginge, "wenn zwei einwilligungsfähige Personen sich entschließen, Sex zu haben". Das Gesetz gegen Inzest sei nur ein "Abbild religiöser Moralvorstellungen und Ekels."

Es gebe heutzutage angeblich keine guten Gründe mehr, warum Verkehr unter Verwandten strafbar sein sollte - außerdem sei der Paragraf "in sich selbst widersprüchlich". Deshalb könne man ihn auch einfach streichen.

Junge Liberale: "Inzest führt nicht zwingend zu Inzucht"

Ein weiteres Argument aus dem Haufen an Twitter-Posts lautet, dass Inzest ja nicht automatisch zu Inzucht führen würde. Brüder und Schwestern könnten ja verhüten.

Anschließend schreiben die Julis sogar, dass es "menschenverachtende Eugenik" sei, wenn man Sex unter Verwandten nur deshalb verbieten würde, weil Inzucht zu einem erhöhten Risiko von Behinderung führen könne.

Und dies war noch nicht alles, die Jungen Liberalen lieferten noch einige weitere diskussionswürdige Begründungen für ihre Forderung nach der Abschaffung des Inzest-Verbots.

Doch nicht nur die Ausführungen der Julis sind spannend, sondern auch die Reaktionen unter dem Twitter-Thread.

Viel Kritik an Inzest-Thesen der Jungen Liberalen

Einige Kommentatoren und auch der offizielle Account der Jungen Liberalen selbst, versuchen zwar die Thesen zu verteidigen. Ein Großteil der Antworten fällt aber negativ aus.

Einige schreiben zum Beispiel, dass die Debatte um Geschwisterliebe in Zeiten der Corona-Pandemie doch wirklich niemanden interessiere. Andere reagieren einfach nur entsetzt: "Oh Mann, mir fehlen die Worte, absurder gehts nicht mehr."

Aber auch handfeste Argumente gegen die Beiträge der Julis werden geäußert. So twittert der ehemalige CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz, dass Inzest "Familien zerstören" würde. Fälle von häuslicher Gewalt seien ohnehin schwer aufzuklären, wenn Täter dann auch noch behaupten könnten, dass der Sex einvernehmlich war, dann stünde Aussage gegen Aussage.

Eine andere Userin fügt passend hinzu, dass die Grenzen für Missbrauch in Familien nicht noch weiter verwässert werden sollten. Eine weitere schreibt, dass Familien Orte der "nicht-sexuellen Liebe" bleiben müssten, weil sie ansonsten bedroht würden.

Titelfoto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

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