Drei Jahre nach Truppenabzug: Verheerendes Zeugnis für Bundeswehreinsatz in Afghanistan!

Berlin - Fast drei Jahre nach dem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan hat die Enquete-Kommission "Lehren aus Afghanistan für das künftige Engagement Deutschlands" des Bundestags ihren Zwischenbericht fertiggestellt - und attestiert dem Militäreinsatz die Note mangelhaft.

Kommissionsvorsitzender Michael Müller (59, SPD, l.) übergibt zusammen mit Kommissions-Mitglied Peter Beyer (53, CDU, r.) den Zwischenbericht an Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (55, SPD, M.).
Kommissionsvorsitzender Michael Müller (59, SPD, l.) übergibt zusammen mit Kommissions-Mitglied Peter Beyer (53, CDU, r.) den Zwischenbericht an Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (55, SPD, M.).  © Serhat Kocak/dpa

Am Dienstag hat Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (55, SPD) den 338-seitigen Bericht in Berlin entgegengenommen.

Knapp 20 Jahre war die Bundeswehr im Mittleren Osten am Militäreinsatz beteiligt - nach den Terroranschlägen vom 11. September bis zum Truppenabzug im Jahr 2021.

Von dem Zwischenbericht erhoffe sich Bas nun auch Erkenntnisse für künftige Einsätze: "Wenn das Parlament Soldatinnen und Soldaten in einen Einsatz schickt, wollen sie stets wissen: Was ist die Zielrichtung, wie lautet der Auftrag, sind wir gut ausgestattet?"

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Für den abgelaufenen Einsatz fällt das Fazit allerdings verheerend aus.

"Mit dem Abzug und der Machtübernahme der Taliban 2021 ist Deutschland gemeinsam mit seinen internationalen Partnern jedoch strategisch gescheitert, Ergebnisse und gesteckte Ziele dauerhaft abzusichern", schreibt die Kommission.

Bundeswehreinsatz "strategisch gescheitert"

Seit dem internationalen Truppenabzug 2021 kontrollieren die Taliban Afghanistan.
Seit dem internationalen Truppenabzug 2021 kontrollieren die Taliban Afghanistan.  © Abdul Khaliq/AP/dpa

Gescheitert sei dabei man dabei nicht nur im Kampf gegen den Terror, auch der Aufbau eines stabilen Staates ging in die Hose.

Bei der Finanzierung ziviler Projekte habe man die Kapazitäten einheimischer Partner "teilweise überschätzt", die internationale Abstimmung sei zu "kompliziert" gewesen und mit der afghanischen Kultur habe man sich "nicht im notwendigen Maße" auseinandergesetzt.

"Es fehlte der internationalen Gemeinschaft an einer langfristigen und mit den vorhandenen Fähigkeiten und Ressourcen realistisch umsetzbaren kohärenten Strategie zur Förderung eines stabilen Afghanistans mit selbsttragender Sicherheit, verlässlicher Staatlichkeit und wirtschaftlichen und sozialen Zukunftsperspektiven."

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Anstatt das Wort "mangelhaft" in den Mund zu nehmen, drückte sich die 40-köpfige Enquete-Kommission noch milde aus und sprach stattdessen von "nicht ausreichend".

Nicht ausreichend sei die "selbstkritische Bestandsaufnahme hinsichtlich der sehr hoch gesetzten Ziele, deren Realisierbarkeit und dem dafür notwendigen Ressourceneinsatz" gewesen, ebenso wie die "bereitgestellten personellen Ressourcen". Zu alledem sei die Ausrüstung deutscher Soldaten "nicht dynamisch genug an die Bedrohungslage in Afghanistan angepasst" gewesen.

Nicht alles schlecht: Enquete-Kommission spricht von "Teilerfolgen"

Ob personelle Ressourcen oder die Ausrüstung: Die Enquete-Kommission stellt dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan kein gutes Zeugnis aus.
Ob personelle Ressourcen oder die Ausrüstung: Die Enquete-Kommission stellt dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan kein gutes Zeugnis aus.  © Henning Kaiser/dpa

Doch es lief zumindest nicht alles schlecht, denn im Zuge der Militäroperation habe man immerhin einige "Teilerfolge" verbuchen können, die allerdings mit der Machtübernahme der Taliban wieder ins Wasser fielen.

So sei es zwischenzeitlich gelungen, die Lebensverhältnisse, das Gesundheits- und Bildungssystem sowie die Lage der Frauen im islamischen Land zu verbessern.

Immerhin: "Der Einsatz in Afghanistan war und ist Anlass für einen Lernprozess, der zu einer Weiterentwicklung und zu Anpassungen in der Bundeswehr und den beteiligten Ministerien beigetragen hat."

Titelfoto: Henning Kaiser/dpa

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