Kein Kanonenfutter: Schüler streiken gegen drohende Wehrpflicht
Von David Hutzler, Christian Rüdiger
Erfurt - In mehreren Thüringer Städten sind Schülerinnen und Schüler am Donnerstag gegen den neuen Wehrdienst auf die Straße gegangen.
Unter anderem in Jena, Erfurt, Gotha und Weimar waren Demonstrationen während der Schulzeit geplant. In Erfurt beteiligten sich nach Angaben der Polizei in der Spitze etwa 300 Schülerinnen und Schüler, in Jena waren es rund 1000.
Auf Plakaten stand "Bildung statt Krieg", "Wehr dich!" oder "Wir sind kein Kanonenfutter". Doch wie ist eigentlich der Stand bei der Umsetzung des Wehrdienstes - und droht wirklich der "Zwangsdienst"?
Die Bundeswehr blickt ziemlich entspannt auf die Demonstrationen: "Ich betrachte das überhaupt nicht als in irgendeiner Art und Weise kritisch, sondern als Gesamtteil einer großen Diskussion, die wir führen müssen", sagte der Kommandeur des Landeskommandos Thüringen, Klaus Glaab.
Recht deutliche Kritik kam zuletzt etwa von Landtagspräsident Thadäus König (43, CDU). Bei einem Empfang der Bundeswehr erklärte er: "Wenn wir über die Wehrpflicht diskutieren, brauchen wir Dialog statt Demos." Die Linke hingegen unterstützt die Demonstrationen und bezeichnet sie als legitimen Protest: "Wir sagen Ja zur Selbstbestimmung und Nein zu Zwangsdiensten."
Junge Menschen erhalten Fragebogen zum Wehrdienst
Seit Anfang des Jahres bekommen junge Menschen, die volljährig werden, Fragebögen zugeschickt. Damit sollen Eignung und Motivation für die Grundausbildung erhoben werden. Männer müssen ihn zurückschicken, Frauen können es. Für Männer ist auch die Musterung verpflichtend, allerdings befinden sich die Kapazitäten dafür noch im Aufbau.
Der Wehrdienst an sich ist aber zunächst freiwillig. Sollte das nicht ausreichen, behält sich die schwarz-rote Koalition die Einführung einer sogenannten Bedarfswehrpflicht vor.
Deutschland reagiert damit auf die Bedrohung durch Russland und die in der Folge geänderten Nato-Ziele. So soll die aktive Truppe von zuletzt mehr als 180.000 Männern und Frauen um 80.000 auf 260.000 Männer und Frauen wachsen.
Zudem soll es 200.000 Männer und Frauen in der Reserve geben.
Titelfoto: Bernd Wüstneck/dpa

