Magdeburg - Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Die CDU, die Partei von Bundeskanzler Friedrich Merz (70), musste bei der Berlin-Wahl Verluste einstecken und verpasste bei den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern sogar den Einzug ins Parlament. Einen verbalen Seitenhieb bekam der Kanzler obendrein von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund verpasst.
"Was sagst'n dazu, dass die CDU gestern aus dem Landtag geflogen ist?", wollte seine Frau Julia wissen.
"Sagen wir mal so, der Merz, der hat ja damals gesagt, der wird die AfD halbieren", setzte Sachsen-Anhalts-Wahlgewinner lachend zu einer Erklärung an, während er sich Butter auf sein Knäckebrot strich.
"Irgendwann verraten wir den Leuten, dass Merz in Wahrheit ein AfD-Wahlkämpfer ist, den wir rechtzeitig in die CDU eingeschleust haben", witzelte Siegmund und musste genau wie seine Gattin deswegen grinsen.
Witze reißen ist das eine, doch wie sieht es mit Verantwortung in Sachsen-Anhalt übernehmen aus?
Siegmund hatte am Sonnabend in einem längeren Instagram-Video über die Tage nach der Wahl gesprochen. Der Clip trägt den knackigen Titel "Wir werden regieren". Wie stellt sich der AfD-Mann das vor?
Er sprach über die Reaktionen "der linken Presselandschaft" und darüber, dass man allen Parteien Gespräche angeboten hätte, diese jedoch weitestgehend abgelehnt worden wären.
Unabhängig davon würden Gespräche für eine Regierungsbildung geführt werden.
Ulrich Siegmund rechnet "im November oder im Dezember" mit "neuer Regierung" in Sachsen-Anhalt
"Wir haben ein Ziel: Wir möchten Verantwortung übernehmen. Ich möchte Verantwortung übernehmen", betonte Siegmund.
"Wir gehen davon aus, dass wir Ende des Jahres, im November oder im Dezember eine neue Regierung gebildet haben - hier in Sachsen-Anhalt und auch einen Ministerpräsidenten stellen können."
Eine Regierungsbildung braucht Zeit. Der Koalitionsvertrag der Schwarz-Roten-Koalition im Bund wurde auch erst rund zwei Monate nach der Bundestagswahl unterzeichnet. Dennoch liegt - speziell der Dezember - noch in weiter Ferne.
Dies sei laut Siegmund alles aber noch nicht in Stein gemeißelt. Als eine erste Etappe auf dem Weg dahin werde am 6. Oktober zur konstituierenden Sitzung ein AfD-Landtagspräsident gewählt.
Dabei handelt es sich laut Siegmund um einen "historischen Schritt".
Mit 43,8 Prozent der Stimmen war die AfD am 6. September zur stärksten Kraft in Sachsen-Anhalt gewählt worden, hatte dabei jedoch die angepeilte absolute Mehrheit verfehlt.