Von Jan Brinkhus und Benedikt Zinsmeister
München/Berlin - Nach einem irreführenden Meinungsbeitrag der Journalistin Anja Kohl (55) zum AfD-Parteitag in der BR-Sendung "Sonntags-Stammtisch" hat sich der Bayerische Rundfunk zu Wort gemeldet.
"Aus Sicht der Redaktion wäre es durchaus lohnenswert gewesen, über die Proteste und den Umgang damit in der Sendung zu diskutieren. Dafür fehlte am Ende der Sendung leider die Zeit", schrieb der öffentlich-rechtliche Sender in seinem Blog zu Korrekturen und Stellungnahmen zu Programminhalten.
In der Sendung am vergangenen Sonntag war es unter anderem um den AfD-Bundesparteitag in Erfurt und gewalttätige Angriffe auf Journalisten bei linken Gegendemonstrationen gegangen. Diese Attacken thematisierte Kohl in der Meinungsrubrik "Freude und Ärger der Woche".
"Die AfD hat es nicht geschafft, öffentlich sich davon zu distanzieren, überhaupt öffentlich Stellung zu nehmen", sagte Kohl.
"Mein absolutes Ärgernis dieser Woche: Journalisten in diesem Land, die berichten, müssen geschützt werden vor Angriffen. Und man muss dann auch Parteien haben, die sich distanzieren von so einer Sache."
Anja Kohl selbst schweigt zu den Vorwürfen
Kohl war daraufhin vorgeworfen worden, sie habe mit ihren Äußerungen den Eindruck erweckt, dass die Angriffe aus dem Umfeld der AfD erfolgt seien.
Die Angriffe hatten sich am Rande von linken Gegendemonstrationen ereignet, die Polizei nahm die Ermittlungen auf. Auch ein Reporterteam des rechtskonservativen Portals "Apollo News" wurde von Gegendemonstranten attackiert.
"Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten verurteilen der BR und auch Anja Kohl entschieden – egal von welcher Seite", schrieb der BR dazu.
Anja Kohl wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Sie arbeitet unter anderem für den Hessischen Rundfunk und moderiert die Sendung "Wirtschaft vor acht" kurz vor der "Tagesschau" im Ersten um 20 Uhr.