Zoff von Hayali und Weidel eskaliert im Live-TV: "Völlig an den Haaren herbeigezogen"
Mainz/Erfurt - Während ein entgleistes Live-TV-Interview für andere Parteien ein kommunikativer Albtraum ist, gehört ein solcher Auftritt bei der AfD inzwischen wohl beinahe genauso zur Choreografie eines Bundesparteitages wie Gegendemonstranten, die Zufahrtswege blockieren, oder das obligatorische Singen der Nationalhymne zum Abschluss der Veranstaltung.
Dabei scheint wohl auch die Besetzung der am späten Samstagabend anstehenden TV-Interviews der beiden frisch wiedergewählten AfD-Bundessprecher wohl kalkuliert: Während sich Tino Chrupalla (51) im Gespräch mit Ingo Zamperoni (52) bei den ARD-Tagesthemen in Fußball-Metaphern flüchtete und die Einigkeit der Partei beschwor, suchte Alice Weidel (47) im "heute journal" von Beginn an die Konfrontation.
Dabei ist es bei Weitem nicht das erste Mal, dass Weidel und ZDF-Moderatorin Dunja Hayali (52) aneinandergerieten. Bereits bei der ersten Frage zum Rückhalt Chrupallas in der Partei sprach die AfD-Chefin stattdessen lieber grinsend davon, dass man sich auf "die vorgezogenen Neuwahlen im nächsten Jahr" vorbereite.
Auch auf die beiden nächsten Fragen zu Weidels Durchsetzungsfähigkeit in den eigenen Reihen, etwa beim Thema des Kontakts einzelner Landesverbände zur rechtsextremen "Identitären Bewegung", erhielt die ZDF-Moderatorin lediglich ausweichende Antworten.
Kurz darauf grätschte die AfD-Chefin dann lachend dazwischen und setzte zum Rundumschlag gegen die Berichterstattung des ZDF an: "Ich weise das Framing, dass die AfD oder Teile der AfD Rechtsextremisten sind, aufs Schärfste zurück! (...) Was ist das für eine Frage? Die ist völlig an den Haaren herbeigezogen, ich weiß auch überhaupt nicht, woher Sie das nehmen!"
Dunja Hayali: "Die Opferrolle gerne ein anderes Mal"
Es folgte ein hitziges Wortduell, in dem Weidel, wie bereits so oft zuvor, das Vorgehen der öffentlich-rechtlichen Sender, des Verfassungsschutzes und der Gegendemonstranten gegenüber der AfD kritisierte und der Moderatorin immer wieder teils lautstark ins Wort fiel.
Hayali entgegnete: "Die Opferrolle gerne ein anderes Mal. Ich würde Sie gerne bitten, die Fragen zu beantworten." Doch dazu kam es im weiteren Verlauf des Interviews nicht mehr. Weidel bezeichnete die Fragen als "absolut unseriös" und machte sich über die Sprache von Hayali lustig, als diese von "Zuschauenden" sprach. Abschließend erklärte die AfD-Chefin: "Noch mal, Frau Hayali, ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen: Die Art des Beitrages, als auch Ihrer Fragestellung, die weise ich aufs Schärfste zurück."
Zwar bot das Interview damit das erwartbare Medienspektakel, für das Fernsehpublikum dürfte es jedoch einem Nullsummenspiel gleichkommen. Wer wissen wollte, wo die AfD nach diesem Parteitag in Erfurt steht, war nach dem Gespräch genauso klug wie zuvor.
Titelfoto: Bildmontage/Katharina Kausche/dpa
