Nach Vetternwirtschaft-Vorwürfen bei der AfD: Kritik kommt jetzt aus eigenen Reihen
Magdeburg - Nach Vorwürfen der Vetternwirtschaft brodelt es gewaltig in den Rängen der AfD. Jetzt kommt die Kritik nicht nur von den Parteigegnern, sondern aus den eigenen Reihen.
Seit einigen Wochen steht die gesichert rechtsextremistische AfD Sachsen-Anhalt mächtig unter Beschuss. Es kamen Umstände von sogenannten Überkreuz-Anstellungen ans Licht.
Illegal ist dies nicht und Ulrich Siegmund (35), Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, tat die Vorwürfe zuletzt auf Instagram als "Fake News" der "Systemmedien" ab. Doch der Unmut ist groß, selbst unter Parteimitgliedern und -freunden.
Jetzt meldete sich beispielsweise Hannes Loth (44), Bürgermeister von Raguhn-Jeßnitz, auf der Plattform "X" (ehemals Twitter).
"Die Vorgänge sind ein Schlag ins Gesicht für alle Mitglieder, die an der Basis harte Arbeit für unsere Partei leisten", so der 44-Jährige, "Geschockt müssen unsere Mitglieder diese Vorgänge ertragen. Ich habe dazu nur eine Frage: Wo ist eigentlich der Landesvorsitzende?"
Mit dieser Frage bezieht er sich auf Martin Reichardt (56), der als Landesvorsitzender eigentlich Konsequenzen ziehen müsste, seit dem Lautwerden der Vetternwirtschaft-Vorwürfe aber die Füße stillhält.
AfD-Mitglieder machen sich auf "X" Luft
Höcke über Vetternwirtschaft-Vorwürfe: "Können nur an uns selbst scheitern"
Aber nicht nur die Basis sieht Probleme an den Verflechtungen, selbst die Parteispitze bekommt einen faden Beigeschmack.
Co-Parteichef Tino Chrupalla (50) war zu Gast in der ARD-Talkshow "Miosga" und sprach dort davon, dass das Prozedere zwar nicht illegal sei, er es aber trotzdem "schwierig" finde und die Vorwürfe ein "Geschmäckle" hätten.
Auch Thüringens Rechtsaußen Björn Höcke (53) zieht mit: "Wir können nur an uns selbst scheitern. Aber dieses Scheitern gerät in den Bereich des Möglichen", schreibt der 53-Jährige auf "X".
Der deutsche Verleger und Rechtsextremist Götz Kubitschek (45) geht sogar so weit, davon zu sprechen, dass die AfD durch diese "Verrenkungen" Wähler verlieren könnte.
"Besser ist, man geht gar nicht mehr wählen, wenn die Neuen nicht anders sind als die Apparatschiks aus den Altparteien", schreibt Kubitschek auf seinem öffentlichen Blog "Suzession", "Der Schaden ist schon da, die Glaubwürdigkeit hat einen Riss."
Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa

