Vetternwirtschaft? Krankgeschriebener Lehrer arbeitet gut bezahlt für die AfD

Saarbrücken - Der Fall eines AfD-Politikers aus dem Saarland riecht nach einer Mixtur aus Mauschelei und Vetternwirtschaft. Michel Dörr (62) ließ sich von seinem Lehrer-Job im Beamten-Dienst krankschreiben. Das hinderte den ehemaligen AfD-Spitzenkandidaten nicht daran, einen gut bezahlten Nebenjob für die Alternative für Deutschland anzunehmen, wo Papa Josef der Vorsitzende ist, berichtet der Spiegel.

Michel Dörr (62, rechts) und Josef Dörr (87) lieferten sich einst einen Machtkampf in der AfD. (Archivbild)  © IMAGO / Becker&Bredel

Dass die von seinem Vater angeführte saarländische Landtagsfraktion dem 62-Jährigen eine gut bezahlte Nebentätigkeit beschaffte, die über Steuergelder finanziert wird, ist an und für sich noch nicht anstößig, wäre da nicht der Fakt, dass es sich um einen verbeamten Lehrer einer Gemeinschaftsschule handelt.

Und an genau dieser Bildungseinrichtung hatte sich Dörr krankgemeldet, soll dort rund ein Jahr deshalb nicht unterrichten haben können, schrieb schon die Saarbrücker Zeitung.

Eine Spiegel-Anfrage dazu ließ Michel Dörr unbeantwortet.

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Nebentätigkeit von Josef Dörr für die AfD flog wegen Zugangskarte auf

Was wusste Josef Dörr (links) über die Nebentätigkeiten seines Sohnes Michel (62)? (Archivbild)  © IMAGO / Becker&Bredel

Bei der Schule war man nicht begeistert, als man von der Nebentätigkeit erfuhr. Denn es entstand der Eindruck, dass der Beamte zu krank sei für seine Hauptaufgabe, er sich aber fit genug fühle, gut bezahlte Nebentätigkeiten anzunehmen.

Zumal ein krankgeschriebener Beamter weiter seine Bezüge ohne zeitliche Begrenzung erhalte.

Inzwischen habe der Lehrer laut Spiegel seinen Dienst im Sinne der Bildung wieder angetreten. Laut Insidern soll er an eine andere Gemeinschaftsschule versetzt worden sein.

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Vater Josef (87) und Sohn Michel sollen sich vor einigen Jahren einen Machtkampf im AfD-Landesverband geliefert haben. Dieser endete damit, dass der Junior aus der Partei flog.

Ob sich die familiären Fronten inzwischen wieder entspannt haben?

Der Fall Josef Dörr flog im Übrigen auf, als für den Sohn eine elektronische Zugangskarte mit dessen Namen beantragt werden musste, wovon auch die Schulbehörden erfuhren und kritisch nachfragten.

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