CDU-Flügel will Teilzeitarbeit einschränken, Reiche fordert mehr Vollzeit

Berlin/Hamburg - Der CDU-Wirtschaftsflügel denkt offen über eine Einschränkung des Rechts auf Teilzeit nach. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (52) meldet sich ebenfalls zu Wort.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (52, CDU) hält mehr Vollzeitarbeit in Deutschland zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit für notwendig.  © Carsten Koall/dpa

Unter dem Titel "Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit" hatte der CDU-Wirtschaftsflügel kürzlich eine Reform der Arbeitszeitregelungen ins Spiel gebracht. Demnach soll Teilzeitarbeit künftig nur noch "bei Vorliegen einer besonderen Begründung gelten", heißt es im Antrag für den CDU-Parteitag im Februar.

Besondere Gründe könnten beispielsweise die "Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen oder eine berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung" sein.

Katherina Reiche, die schon in der Vergangenheit gefordert hatte, die Deutschen sollten "mehr und länger arbeiten", lobte den Vorstoß und sagte am Rande des Nordseegipfels in Hamburg: "Es ist richtig, dass die Arbeitsproduktivität in Deutschland gesteigert werden muss."

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"Mehr Vollzeitarbeit kombiniert mit Betreuungsmöglichkeiten" für Familien oder Menschen mit pflegebedürftigen Angehörigen sei "ein wichtiger Baustein", so Reiche. "Es wäre gut, wenn wir wieder mehr Vollzeit und weniger Teilzeit hätten."

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Katherina Reiche beim Gipfeltreffen der Nordsee-Anrainerstaaten in Hamburg.  © Marcus Brandt/dpa

Scharfe Kritik an CDU-Vorstoß zur Teilzeitarbeit

Vonseiten der anderen Parteien hagelte es Kritik. SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt (52) warf dem CDU-Flügel vor, damit dem "Zusammenhalt in unserem Land" zu schaden.

Der Grünen-Arbeitsexperte Armin Grau (66) bezeichnete es als "respektlos", derart über hart arbeitende Menschen im Land zu sprechen. "Viele Frauen wünschen sich, mehr arbeiten zu können, scheitern aber oft an fehlenden Angeboten zur Kinderbetreuung", sagte er gegenüber AFP.

Für den Fraktionschef der Linken, Sören Pellmann (48), hat der Vorstoß "mit einem modernen Verständnis von Arbeitswelt nichts zu tun". Dieser zeige, dass relevante Teile der CDU Beschäftigte in Deutschland "zu Bittstellern degradieren und ihnen ein mühsam erkämpftes Recht nach dem anderen nehmen wollen".

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