Kriegs-Kritik unpassend? Was Ministerpräsident Schulze über den Hallervorden-Auftritt denkt

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Dessau/Magdeburg - Politiker suchen sich im Wahlkampf prominente Unterstützer. Sven Schulze (47), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt , ist mit dem Kabarettisten Dieter Hallervorden (90) in Städten wie Magdeburg, Halle und Dessau aufgetreten. Mit „Völkermord“-Banner und Kriegs-Kritik an Friedrich Merz (70, CDU ) hat der Sänger dabei für viel Wirbel gesorgt. Hat sich der CDU-Politiker damit einen Gefallen getan?

Kabarettist Dieter Hallervorden (90, l.) und Ministerpräsident Sven Schulze (47, CDU) stehen beim Gesprächsformat „Kunst braucht Freiheit“ gemeinsam auf der Bühne. Der Komiker kritisierte die Bundes-CDU deutlich. Darf er das?
Kabarettist Dieter Hallervorden (90, l.) und Ministerpräsident Sven Schulze (47, CDU) stehen beim Gesprächsformat „Kunst braucht Freiheit“ gemeinsam auf der Bühne. Der Komiker kritisierte die Bundes-CDU deutlich. Darf er das?  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Bei dem Gesprächsformat, das unter dem Titel „Kunst braucht Freiheit“ stand, hatte Hallervorden Verteidigungsminister Boris Pistorius (66, SPD ) als „Kriegsminister“ bezeichnet und mit einem Friedens-Song die Politik der Bundesregierung offen kritisiert.

„Zur Hölle sollen sie fahren, die das von uns verlangen“, hatte er sich in einem Lied sogar persönlich an den Kanzler gewandt.

In Aufnahmen waren Merz, Pistorius, die Kriegsfront und sogar Panzer zu sehen.

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Ist eine solche Kritik an der Parteispitze in Zeiten des Wahlkampfs angebracht, fragte TAG24 bei Schulze nach.

Das Motto dieser Veranstaltung heißt: ‚Kunst braucht Freiheit.‘ „Wo es darum geht, dass ich zeigen möchte, dass ich unbedingt diese Meinungsfreiheit hier auch lebe .

Woher sich Sven Schulze und Didi Hallervorden kennen

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze teilt nicht die Positionen Hallervordens, betont jedoch auch, dass es wichtig sei, unterschiedliche Meinungen zuzulassen.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze teilt nicht die Positionen Hallervordens, betont jedoch auch, dass es wichtig sei, unterschiedliche Meinungen zuzulassen.  © Ralf Seegers

„Ich habe nicht zu jedem Thema, was die Gala angesprochen hat, die gleiche Meinung wie er. Aber ich finde es vollkommen richtig, dass man diese Meinungsfreiheit so lebt. Dass man sich gegenseitig respektiert, aber auch unterschiedliche Meinungen zulässt „Ministerpräsident absolut das ist, was ich von diesem Land möchte“, fügte Schulze hinzu.

„Da stand ein Künstler, der Dinge gesagt und gesungen hat, die ich für falsch halte. Manche davon halte ich sogar für grundfalsch. Ich habe ihm widersprochen. Aber danach, da standen wir trotzdem auf derselben Bühne“, konkretisierte der MP seine Ansichten in einem X-Posting.

Er verriet gegenüber TAG24, dass er Hallervorden, der aus Dessau in Sachsen-Anhalt stammt, durch einen gemeinsamen Freund kennengelernt habe und beide sich sympathisch gefunden haben.

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Ihre sachsen-anhaltinische Herkunft sei nicht die einzige Gemeinsamkeit. „Ein Punkt, der uns beide verbindet, ist, dass wir uns nicht von außen auferlegen lassen, was wir denken und sagen sollen“, so Schulze.

Generalsekretärin übt Kritik an Hallervorden-Auftritt, Politologe skeptisch

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann (44) findet, dass auch Meinungs- und Kunstfreiheit ihre Grenzen haben.
CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann (44) findet, dass auch Meinungs- und Kunstfreiheit ihre Grenzen haben.  © Christoph Soeder/dpa

Für den Hallervorden-Auftritt hatte es von verschiedenen Seiten Kritik gehagelt. Gegenwind kam etwa von CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann (44).

„Für die CDU Deutschlands ganz klar: Es gibt keinen Völkermord in Gaza, wir stehen an der Seite Israels und der Ukraine im Kampf gegen den Terror und Aggression. Wir stehen für Freiheit und wollen uns verteidigen, damit wir es nicht müssen. Daran wird sich nichts ändern.“

„Wir stehen zur Meinungs- und Kunstfreiheit, doch auch hier gibt es Grenzen – mindestens aber muss die Kunst mit deutlichem Widerspruch leben“, wurde sie gegenüber Bild deutlich.

Auch ein Politikwissenschaftler zeigt sich angesichts des streitbaren Auftritts skeptisch.

„Wenn man sich einen Promi mit ins Boot holt, sollte man vorab überlegen, ob man mit ihm wirklich besser ans Ziel kommt oder einen Schlingerkurs fährt“, sagte Benjamin Höhne, Politologe an der TU Chemnitz, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Titelfoto: Bildmontage: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa, Ralf Seegers

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