SPD und Grüne unterbrachen die Sondierungen wegen ihr: Jetzt spricht Linken-Problem-Politikerin Emde
Von Anja Mia Neumann
Berlin - Nach der Wiederaufnahme der rot-grün-roten Sondierungen in Berlin hat die Linken-Politikerin Vanessa Emde (45) eine ihrer umstrittenen Aussagen in einem Instagram-Video wiederholt.
In dem am Donnerstag veröffentlichten Beitrag sagte die Abgeordnete im Abgeordnetenhaus, sie habe vor einigen Monaten in einem Video davon gesprochen, dass es keinerlei Existenzrecht für Staaten gebe, sondern nur für Menschen.
"Ich stehe zu meinen Aussagen und ich nehme keine einzige dieser Aussagen zurück", sagte Emde in dem Video. Der Satz sei ein völkerrechtlicher "No-Brainer", also eine Selbstverständlichkeit.
Kritiker werfen der Linke-Abgeordneten vor, nicht zum Existenzrecht Israels zu stehen. Vor dem Hintergrund wurde spekuliert, dass sie womöglich nicht Teil der Linken-Fraktion werden könnte.
Die Berliner Linksfraktion hat die Abgeordnete aber in ihre Reihen aufgenommen. Am Dienstag bekannte sich die Fraktion in ihrer konstituierenden Sitzung ausdrücklich zum Kampf gegen Antisemitismus, zum Schutz jüdischen Lebens und zum Existenzrecht Israels.
Alle Abgeordneten unterzeichneten eine entsprechende Erklärung. Emde kritisierte, diese nenne nur selektiv Details aus Partei-Beschlüssen. Nicht erwähnt werde darin etwa ein Beschluss der Linken, die das israelische Vorgehen im Gazakrieg seit einem Parteitag im Juni erstmals offiziell als "Völkermord" bezeichnet.
Linke, Grüne und SPD wollen Sondierungen fortsetzen
Dass sie in die Fraktion aufgenommen wurde, sei "ein kleiner Geländegewinn gegen die Staatsräson", so Emde. Den rechtlich unspezifischen Begriff der "Staatsräson" hatte die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (72, CDU) entsprechend geprägt.
Im März 2008 sagte sie in einer Rede vor der Knesset, dem israelischen Parlament: "Jede Bundesregierung und jeder Bundeskanzler vor mir waren der besonderen historischen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels verpflichtet."
Und weiter: "Diese historische Verantwortung ist Teil der Staatsräson meines Landes."
Am Vormittag des Freitags wollen Linke, Grüne und SPD ihre gestoppten Gespräche über eine mögliche Regierungsbildung in der Hauptstadt fortsetzen.
Nach einem Tag Unterbrechung hatten sich die Parteienvertreter am Donnerstag erneut zusammengesetzt.
Titelfoto: Soeren Stache/dpa

