"Grüße mit Respekt": Ferat Koçak gerät wegen Chat mit Remmo-Sohn unter Druck

Berlin - Nachdem Clan-Chef Issa Remmo (58) auf der Wahlparty der Linken auftauchte, wies die Parteiführung jede Verbindung zurück. Nur Stunden später heizte Linken-Bundestagsabgeordneter Ferat Koçak (47) mit einem gemeinsamen Chat mit Remmos Sohn die Debatte weiter an.

Ferat Koçak (47) ist seit 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages. (Archivfoto)  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Am Montag erschien ein Chatverlauf zwischen Koçak und Firas Remmo, einem Sohn von Issa Remmo. Firas Remmo veröffentlichte einen Screenshot der Unterhaltung auf Instagram. Der Chat stammt vom 17. Februar. Darin bittet Koçak den Remmo-Sohn unter anderem darum, ein Video eines seiner Auftritte im Bundestag zu verbreiten. Zuvor lässt Koçak seinen Gesprächspartner seinem Vater "Grüße mit Respekt" ausrichten. Die beiden sprechen sich mit "Bruder" an, es wird ein Herzchen im Chat geschickt.

Bei dem Video handelt es sich um einen Bundestagsauftritt Koçaks vom 29. Januar. Darin kritisierte der Linken-Politiker den Begriff "Clankriminalität". Nach dem Bundestagsprotokoll bezeichnete er ihn als "politischen Kampfbegriff mit einer rassistischen Geschichte". Der Begriff stelle ganze Familien unter Generalverdacht und kriminalisiere Menschen aufgrund ihres Nachnamens, argumentierte Koçak.

Nachdem der Chat öffentlich geworden war, räumte Koçak einen Fehler ein. Er erklärte, ihm sei zunächst nicht bekannt gewesen, mit wem er schreibe. Über seine Social-Media-Kanäle kommuniziere er regelmäßig mit zahlreichen Menschen aus Neukölln. Dass er Firas Remmo nach Kenntnis seiner Identität anschließend noch das Video seiner Bundestagsrede geschickt habe, sei jedoch "ein Fehler, für den ich um Entschuldigung bitte", schrieb Koçak auf X.

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Er kündigte außerdem an, sein Kommunikationsverhalten mit seinem Team aufzuarbeiten und für Transparenz zu sorgen.

Offen bleibt jedoch, warum Firas Remmo den Chat mit Ferat Koçak ausgerechnet nach der öffentlichen Distanzierung der Linken von seinem Vater veröffentlichte. 

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Umstrittene Gäste bringen Linke in Erklärungsnot

Terror-Unterstützer Ibrahim Ibrahim (r.) mit Linken-Bundestagsmitglied Ferat Koçak (47, M.) am Sonntagabend auf der Linken-Wahlparty in Berlin.  © Screenshot/tiktok/Araki Chaker

Am Sonntagabend sorgte bereits die Anwesenheit von Issa Remmo am Wahlabend bei anderen Parteien und im Netz für Aufregung.

Der Neuköllner Bezirksverband und Spitzenkandidatin Elif Eralp (45) versicherten, es gebe weder politische noch persönliche Beziehungen zu Remmo. Seine Anwesenheit sei den Verantwortlichen nicht bekannt gewesen. Er soll anschließend gebeten worden sein, die Veranstaltung zu verlassen.

Unterdessen feierte ein weiterer umstrittener Mann mit der Neuköllner Linken: der propalästinensische Aktivist Ibrahim Ibrahim, der sich gemeinsam mit dem Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak ablichten ließ.

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Ibrahim gilt laut dem Berliner Verfassungsschutz als langjähriger Aktivist mit Verbindungen zur "Volksfront für die Befreiung Palästinas" (PFLP), die von der EU und den USA als terroristische Organisation eingestuft wird.

Islamismus-Experte Mansour sieht Berührungspunkte zwischen Clans und Linken

Ahmad Mansour (50) hat israelische und palästinensische Wurzeln. (Archivfoto)  © Fabian Sommer/dpa

Der Psychologe und Islamismus-Experte Ahmad Mansour (50) sieht mögliche Berührungspunkte zwischen Teilen des Clan-Milieus und der politischen Linken. In einem Podcast mit "Bild"-Journalist Paul Ronzheimer sagte er, bestimmte Gruppen könnten die antirassistische Haltung der Linken für sich nutzen, indem Maßnahmen gegen migrantische Kriminalität als rassistisch dargestellt würden.

Für die Berliner Linke kommt die Kontroverse zu einem schwierigen Zeitpunkt. Nach ihrem Wahlsieg will die Partei mit SPD und Grünen über eine mögliche Regierungsbildung sprechen.

Die Vorfälle auf der Wahlparty und die Fragen nach Kontakten einzelner Politiker dürften deshalb auch bei den anstehenden Gesprächen eine Rolle spielen.

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